basel: Richard Wherlock: «Snow White»

In jeder Saison entwirft Richard Wherlock am Theater Basel ein neues Handlungsballett, meist geht es darin um die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau, die sich gegen dunkle Mächte behauptet. Ein Stoff für Tanzmärchen. Die spanische Tänzerin Andrea Tortosa Vidal tollt in Wherlocks Ballett «Snow White» durch den Märchenwald – eine Königstochter, die sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lässt und mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht.

Die böse Stiefmutter (Debora Maiques Marín) huldigt dem Schönheitswahn und will das hübsche Schneewittchen als Konkurrentin loswerden. Doch auch wenn es in der unterlegten Musik von Schostakowitsch ab und zu unheimlich grummelt, besteht kein Grund zur Sorge. Der tapferen Königstochter hilft das Glück in Gestalt der sieben Zwerge, die Schneewittchen in ihren Junggesellen-Haushalt aufnehmen.

Im Zwergenhaus hängt das Doppelbildnis von Mutter und Vater Zwerg ordentlich über dem Kamin, auch sonst ist hier im Zwischenmenschlichen alles im Lot, während drüben im Königspalast die Fetzen fliegen, sobald die Königin in ihren schwatzhaften Spiegel blickt. Während uns das riesige Spiegelbild, das als Abspaltung von Hass und Selbsthass gedeutet ...

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Tanz Februar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Martina Wohlthat

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