wie aus der traumfabrik

Der Boom der Saison heißt: Ballett-Übertragungen live ins Kino. Tanz kann endlich auch außerhalb des Theaters ein Genuss sein.

Ganz in Weiß liegt Julia hingegossen auf dem Totenbett. Gleich wird die Familie um die Scheintote trauern, die alsbald ihren geliebten Romeo wieder in die Arme schließen will. Nur dieser dunkle Fleck am Knie der Aufgebahrten stört das Bild aufopfernder Unschuld. Hat sich die Tänzerin Lauren Cuthbertson etwa verletzt? Mit Blick auf die dunklen Enden ihrer Spitzenschuhe ist die Ursache für die Verunreinigung der Ballettstrumpfhose ausgemacht: der schwarze Tanzteppich hinterließ seine Spur bei den Liebesbeteuerungen auf Knien.

Nach einem kurzen Blackout ist der Fleck verschwunden und die Bildregie kann aufatmen – schließlich verfolgen Menschen in 22 Ländern weltweit die Live-Übertragung von Kenneth MacMillans «Romeo und Julia» aus dem Royal Opera House in London.

Eine kleine Schar Ballettfans, von Jugendlichen bis zur alten Dame, findet sich an diesem Abend in einem Multiplex-Kino in Berlin-Steglitz ein. Der Kinobetreiber lässt vor Beginn billigen Sekt gratis ausschenken, weil die Vorführung über drei Stunden dauern wird. Eine absolute Ausnahme in einem Kino, in dem sonst Actionfilme und grottige Komödien in popcornverdaulicher Länge laufen.

Hollywood ohne Worte
Zuerst wird das ...

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Tanz August 2012
Rubrik: medien, Seite 86
von Franziska Buhre