Serge Lifar

Die Muskeln, das Rückgrat, der Schatten: Als die Nazis sich in der Pariser Opéra vergnügten, beklatschten sie einen Ukrainer, der das Ballett von seinen Fesseln befreite. Die Opéra und den männlichen Tanz riss er aus dem Winterschlaf. Wie viel Hommage darf’s sein? Thomas Hahn auf den Spuren von Serge Lifar

Am 15. Dezember 2006 jährte sich zum zwanzigsten Mal der Todestag Serge Lifars. Schon zum dritten Mal seit 1986 widmete die Opéra de Paris dem ersten männlichen Étoile ihrer Geschichte eine getanzte Hommage. Doch weit mehr als Tänzer, war Lifar Mentor, Erneuerer, Choreograf und Theoretiker. Sein Pech war, dass seine Blüte in die 1930er und 40er Jahre fiel und dass Paris in die Hände der Bestie gefallen war. Lifar gelang es nicht, sich dem Strudel zu entziehen.


Die erneute Hommage an der Opéra wäre eine Chance gewesen, endlich dies zwielichtige Kapitel der Tanzgeschichte aufzuarbeiten. Doch es scheint, Lifar solle in Frankreich für alle Zeiten der unbefleckte Held bleiben, der Ende 1929 mit seiner Fassung zu Beethovens «Geschöpfe des Prometheus» die Kunstsparte Ballett ins 20. Jahrhundert führte. Er erzwang von der Direktion, dass während der Vorstellung Ruhe und Dunkelheit im Saal herrschten. Das Kommen und Gehen der Abonnenten, das Unterbrechen der Handlung zugunsten einer Tänzerin, von der man die Wiederholung einer Figur einfordert, gehörten nach ihm der Vergangenheit an, ebenso wie das Werfen von Blumensträußen auf die Bühne. Ballett war von nun an Kunst, war ein Werk und kein ...

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Tanz Januar 2007
Rubrik: Ballett, Seite 58
von Thomas Hahn

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