Bacon Leibhaftig

Der Choreograf Micha Purucker übersetzt die Kurzschrift der Empfindung des englischen Malers Francis Bacon in den Tanz.

1945 lautete das Verdikt der Kunstkritik, Bacon male «freaks and monsters»; grundsätzlich abgekommen ist man von der Lesart nicht. Immer noch unterstellt man dem Maler die – obzwar exzellente – Darstellung der «gequälten Kreatur», und «exzessiver Gewalttätigkeit». Und übersieht beinah, dass die menschliche, fleischliche Existenz, die er einfängt, nicht nur «ein Dasein zum Tode» ist, sondern auch viszerales, hingebungsvolles Leben. Lebendig. Weit mehr als statische akademische Tradition. Oft weit weniger morbid. Dagegen: voller Bewegung.

Was seine Bilder, die, zugegeben, auch abstoßend sind, so unwiderstehlich macht (und Bacon zu einem der teuersten Maler der Gegenwart), ist ihre unentrinnbare, fast haptische Sinnlichkeit. Sein Werk ist eine Chronik der Hingabe. Die legendäre Adresse dazu ist sein Atelier in:

«7, reece mews, london»
Nach diesem «Arbeits- und Empfindungsraum» hat der Münchner Choreograf Micha Purucker das ers-te einer Reihe von ihm komponierter Künstlerateliers benannt – immerhin, so Purucker, «der Ort, aus dem die Formulierung eines der signifikantesten Körperbilder des 20. Jahrhunderts stammt». Wie immer bei ihm ist das Konzept ganzheitlich und großzügig. Vier Abende ...

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Tanz Juni 2008
Rubrik: Tanzkunst, Seite 56
von Katja Werner

Vergriffen
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