Ayelen Parolin «Weg»

Freiburg

Tanz - Logo

In jedem Ballettsaal stand einst ein Piano. An diesem saß eine Person, die nie ihre Miene verzog und höflich nur dann die Tasten schlug, wenn man es ihr befahl – die wahre Macht des Pianos war selten zu erleben. In «WEG» sitzt Lea Petra am Piano, eine Argentinierin, die in Brüssel schon Thomas Hauert und Ivo Dimchev das Fürchten lehrte. Und nun der siebenköpfigen Kompanie von Ayelen Parolin.

Petra prügelt den Rhythmus im Telegrafentakt mit CD-Hüllen auf den Notenhalter im Klavierdeckel und zerquetscht die Hüllen so brachial, dass das Plastik geräuschvoll über dem Tanzboden splittert. Das Ensemble in queerem Kostüm aus Püschelschwanz, Papierkragen und Rüschenhemdchen ruckelt, zittert und krabbelt dazu ängstlich und händchenhaltend. In seiner Kinderei muss es aushalten, dass Petra zu noch stärkeren Instrumenten greift, zum Eisenrohr, um mit dadaistischer Verve dem präparierten Klangkörper derlei erschröckliche Dimensionen zu entlocken, dass die Tänzerschar nur mit Weinen und Greinen antworten kann: Geprügelt von der Macht des Materials flieht sie im Theoriedunst aus Chaosphysik und queerem Zufallsglauben in die Hölle eines schrecklich scheiternden Kinderzimmertanzes.

Wieder am 17. ...

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Tanz Juni 2023
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Arnd Wesemann

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