Nicht bezahltes Auslandsgastspiel. Das Juristische im Tanz.

«Wir haben eine kleine Tanzkompanie und waren sehr stolz, dass wir zum ersten Mal zu einem Gastspiel ins Ausland fahren konnten. Es gab auch einen schriftlichen Vertrag. So waren wir uns eigentlich sicher, dass die Sache seriös ablaufen würde. Das Gastspiel fand in Italien statt. Hotel- und Fahrtkosten wurden auch vereinbarungsgemäß vom Veranstalter übernommen, nur gab es nicht, wie vertraglich vereinbart, das Gastspielhonorar. Es sind schon mehrere E-Mails hin und her gegangen, und wir werden mit überwiegend fadenscheinigen Gründen immer wieder vertröstet. Welche rechtlichen Möglichkeiten haben wir überhaupt, und wo müssten wir unsere Ansprüche geltend machen?»

Bei aller Freude über das erste Auslandsgastspiel sind Sie leider sofort in eine Situation geraten, die nur sehr schwer und mit großem finanziellem Risiko, wenn überhaupt, zu lösen ist. Sie erwähnen, dass es einen schriftlichen Gastspielvertrag gibt. Dort müssten Sie zuerst einmal nachschauen, ob mit Ihrem Auftraggeber eine Gerichtsstandsvereinbarung und eine Rechtswahl stattgefunden hat. Ich gehe fast davon aus, dass Ihnen aus Italien ein Vertrag zugesandt worden ist, den Sie dann einfach unterzeichnet haben.

Höchstwahrscheinlich wird in diesem Vertrag die Anwendung italienischen Rechts und die Zuständigkeit des dort örtlich zuständigen Zivilgerichts vereinbart worden sein.

Selbst wenn eine solche Regelung nicht existiert, landen Sie vor keinem deutschen Gericht. Auch ohne eine Gerichtsstandsvereinbarung müssen Sie sich in Ihrem Fall an das in Italien zuständige Gericht zur Durchsetzung Ihrer Forderung wenden, und das macht die Angelegenheit bis zum Erstreiten eines Urteils kompliziert und vor allem teuer. Sie müssen sich einen italienischen Anwalt suchen, der berechtigt ist, vor dem zuständigen Gericht aufzutreten und für Sie Ihren Zahlungsanspruch gerichtlich geltend zu machen. ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: praxis, Seite 72
von Anke Flock