Ausbilder im Wettbewerb

Erstmals treten die Staatlichen Tanzhochschulen gemeinsam an und zeigen, was sie können. Eindrücke vom Berliner «Context» Festiva.

Der Satz will gar nicht wieder aus dem Kopf. «Ach, wie schön, dass mal wieder getanzt wird.» Von der Dame mit dem ondulierten Haar in der vorderen Reihe dem Gatten ins Ohr gesagt. Auf diese Weise den Umsitzenden unbeabsichtigt ins Hirn geträufelt. Irgendwie wirklich schön, dass mal wieder getanzt wird. Vor allem, wenn sie so jung sind, die Tänzer. Noch nicht «fertig», noch keine Routine. Einfach mit Leidenschaft bei der Sache. Mit dieser kostbaren, schnell vergänglichen Mischung aus Brennen und Werden.



Brennen und Werden statt Maß und Sein – das trifft es für viele Schulvorstellungen ziemlich genau, auch für diesen Tanzabend auf der allerersten deutschen Biennale der Tanzausbildung. Wenn der junge Daniel Camargo aus der Stuttgarter John Cranko-Schule die Diagonale stürmt, für seine «Flamme von Paris» den Bühnenhimmel erobert und am Ende in einem übermütigen Port de bras, nein, nicht zum Stillstand, sondern eher zur Pause vor dem nächsten Anlauf kommt, dann fühlt auch der Ballett-resistente Zuschauer den Zauber jenes ganz speziellen, seltenen Zusammentreffens jugendlicher Begeisterung, unzerstörbaren Talents und hervorragender Ausbildung.

Vor allem Letztere sollte auf dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2008
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Elisabeth Nehring

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kevin O’Day und Robert Glumbek

John Neumeier nannte seine Choreografie 1984 «Mozart 338». Kevin O’Day betitelt seine Mozart-Interpretation «Concerto 622». Beide verbündeten sich mit renommierten Modemacherinnen: Jil Sander entwarf für das Hamburg Ballett knallige Kostüme, Dorothee Schumacher nun kreiert für die Damen des Ensembles: überaus dezent und trotz gelegentlichem Glamour von erlesenem...

Dressed To Kill

Schwarze
sind oft wenig vermögende Männer. In Südafrika tragen sie tagsüber den Blaumann und setzen Motoren zusammen. Sie verdingen sich im Kittel als Gärtner, in Fantasie-uniformen als Kellner oder in schlecht sitzendem Leinen als Hilfspolizisten. Nichts degradiert sie vierzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid mehr als diese Uniformen. Die nur zu offensichtliche...

Kurt Jooss

Kurt Jooss geriet zusammen mit Sigurd Leeder 1934 auf der Flucht vor Hitler in diese zauberhafte Landschaft südwestlich von London: nach Dartington, wo Leonard und Dorothy Elmhirst die Utopie einer von Kunst und Demokratie bestimmten Gesellschaft leben wollten.

Die weltläufigen Stifter nahmen die beiden im küstennahen Hügelland so auf wie auch Rudolf Laban, Birgit...