Augen-Künstler

Eine kurze Geschichte der Tanzfotografie oder: Wie sich eine Kunst emanzipiert

Auf der glatten Oberfläche des Tanzfotos gehen zwei Medien miteinander eine Symbiose ein: der bewegte Tanz und die festlegende Fotografie – Gegensätze, die größer kaum sein könnten. Denn es ist gerade die Bewegung, die in der Geschichte der Fotografie über das rein Dokumentarische hinaus die schlichte Abbildung eines spezifischen Inhalts überragt. Diese Bewegung fordert die Fotografie heraus.

So stellt dies auch Roland Barthes in seinem Schlüssel-Essay «Die helle Kammer» gleich zu Beginn dar: «Von Natur aus hat die Fotografie etwas Tautologisches: eine Pfeife ist hier stets eine Pfeife, unabdingbar. Man könnte meinen, die Fotografie habe ihren Referenten immer im Gefolge und beide seien zu der gleichen Unbeweglichkeit verurteilt, die der Liebe oder dem Tod eignet, inmitten der bewegten Welt: sie sind aneinander gebunden, Glied an Glied.» Barthes weist hier darauf hin, dass die Fotografie in der Rezeption stets über den Inhalt wahrgenommen wird. «Kurz gesagt, der Referent bleibt haften. Und dieses einzigartige Haftenbleiben bedingt die so großen Schwierigkeiten, der Fotografie auf die Spur zu kommen.» Die Tanzfotografie ist hier ein besonders hartnäckiger Fall dieses Verweigerns, ...

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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 39
von Christiane Kuhlmann

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