Beschützer und Piraten

Ein Klick auf YouTube – und schon erscheint die Tanzvergangenheit auf dem Monitor. Aber was kriegen wir da eigentlich zu sehen? Und wozu brauchen wir überhaupt noch Archive? Antworten gibt der Projektleiter des Mime Centrums in Berlin

Es gehört heute zu den fast selbstverständlichen Erwartungen Tanzinteressierter, einen Zugang zu den Quellen dieser Kunst zu allererst über audiovisuelle Medien zu erhalten. Was den Zugang zum Kulturerbe Tanz betrifft, möchte ich aus meiner Erfahrung einige zentrale und für uns, die Tanzarchive, sehr aktuelle Aspekte skizzieren.

Dazu zunächst eine kleine Geschichte.

Mitte der 1990er-Jahre machte sich ein Kollege von mir, der Theaterwissenschaftler Jörg Bochow, im Rahmen seiner Forschungen zum Film der Zwanziger Jahre auf, Zugang zu dem deutschen Kulturfilm «Wege zu Kraft und Schönheit» (1925) zu erlangen. Da ich sehr daran interessiert war, eine Kopie des Films auch für unsere Mediathek zu erhalten, machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Damals benötigte das Bundesarchiv am Fehrbelliner Platz zwar noch ein Vierteljahr, um eine Kopie in den eigenen Beständen ausfindig zu machen. Aber dafür wurde uns in Aussicht gestellt, dieselbe dann tatsächlich zu Forschungs- und Lehrzwecken dauerhaft verwenden zu können. Die Zusage war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass wir uns eine Kopie des Films selbst erstellen, indem wir ihn von einem Fernsehmonitor abfilmen. Dem ...

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Tanz Januar 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 58
von Thilo Wittenbecher