Am Limit

Holger Bergmann leitet ein Festival. Der belgische Choreograf Damien Jalet leidet an einem Trauma. Beide tasten die Grenzen des Erlaubten, des Möglichen ab. Und plötzlich geht es ums Überleben. In der Gegenwart der Städte. Im Angesicht des Terrors

Holger Bergmann steht an einem Zaun. Der umfriedet ein Stück Nichts: platten Boden, feines Geröll. «Schreiben Sie das nicht», sagt der Leiter des Festivals «Favoriten» dem Häuflein Journalisten, das ihn umringt. Denn das Festival soll im Herbst 2016 an genau dieser Stelle in Dortmund steigen und ringsum im Unionsviertel – «wir werden hier ein Loch reinschneiden.»

Damien Jalet steht auf einem Bürgersteig, mitten in Paris. Auf der anderen Seite der Rue de Charonne sieht er fröhliche Menschen in einem Café.

Der Choreograf sieht auch das schwarze Auto, das gefahren kommt und anhält, er sieht dem Mann, der aussteigt, eine Kalaschnikow trägt und lächelt, sogar in die Augen. Zwei Sekunden später wird sein Leben zerrissen sein in ein Vorher und ein Nachher: «vor und nach dem 13. November». Die beiden Männer haben überhaupt nichts miteinander zu tun.

Bergmann beschreibt auf der Hinterseite des Gebäudes namens «U», der ehemaligen Unions-Brauerei, jetzt «Zentrum für Kunst und Kreativität», in welche Räume er Aufführungen und Treffpunkte des Festivals verteilen wird, etwa in den Souterrain-Saal des «U», in ein Seniorenheim, in die Aula der Berufsschule. Was, wie er sagt, übrigens auch auf die ...

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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Politik: Unter Spannung, Seite 44
von Melanie Suchy

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