Allan Kaprow: Das Revival des Happenings

München: Dance

Allan Kaprow (1927 – 2006) dürfte einer der einflussreichsten und gleichzeitig einer der unbekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts sein. Kaprow, ein Schüler des abstrakten Expressionisten Jackson Pollock, hat in den 1950ern eine neue Kunstgattung erfunden und den durchschlagenden Namen gleich mit: das Happening. Die Definition ist so simpel wie unwiderlegbar: «What is a Happening? A game, an adventure, a number of activities, engaged in by participants for the sake of playing.

»

Weil seine Aktionen keine Objekte hinterließen, die man sammeln, handeln, ausstellen und im Museum einspeisen kann, machte ihn die Radikalität seiner Neudefinition der Kunst nicht eben zum Star im Kunstbetrieb, sondern zum Kunst-Denker, dessen Name nur Insidern ein Begriff war. Diese Unsichtbarkeit schien ihm nicht unangenehm gewesen zu sein. Als sich der Begriff des Happenings in den 1970ern inflationierte, schlug Kaprow  die nächste Volte und nannte seine Aktionen bloß noch «Activities». Seine Definition von Kunst löst den Begriff in die soziale Praxis auf: «Die tägliche Wiederholung im Leben ist die einzige Kunst.»

Es wirkt wie eine Überraschung, dass Kaprow wenige Monate nach seinem Tod am 7. April in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2006
Rubrik: Der Kalender, Seite 36
von Peter Laudenbach

Vergriffen
Weitere Beiträge
Carolyn Carlson: «If to Leave is to Remember»

Carolyn Carlson: Entschuldigen Sie die Verspätung, ich war gerade so richtig mitgerissen von meinem Improvisationskurs. Das Thema war «blind sein». Was da zwischen den Tänzern abging, war unglaublich spannend.

Ich wollte Sie genau danach fragen, denn Sie haben oft zu Jazz mit Joachim Kühn improvisiert. Was bedeutet Ihnen Improvisation heute? Sie ist noch immer die...

Letter from Tokyo

Tokyo is a big, buzzing, chaotic city; the epitome of the metropolis, the stylized “mega city.” I am gradually coming to realize that this stylization is Tokyo’s subtext, but where does it come from? I would describe it as the result of a process of alienation leading to liberation from redundancy and the strait-jacket of “reality.” As an observer, I am no longer...

Unsere Zukunft

Erwachsene haben es gut. Sie kennen schon alles. Und was sie nicht kennen,  interessiert sie nicht. Wäre das die Haltung von Schülern, die meisten würden 24 Stunden Playstation-Action mit beiden Daumen wegdrücken, aber bloß nicht ihren Arsch, geschweige denn ihr Bein hochkriegen. Gut, dass es Erwachsene gibt, die nicht länger zusehen können, wie ihre Kinder mit...