alexei ratmansky

Erfolg in Hochpotenz und weltweit im Geschäft: Der Mittvierziger gilt als Trumpfass der Gegenwarts-Choreografie. Beim Semperoper Ballett in Dresden lässt er sich in die Kreations-Karten schauen – und in die russische Seele

Leicht ratlos schaut er in die Runde: «Won‘t work», stellt Alexei Ratmansky trocken fest, obwohl Corps und Solisten des Semperoper Balletts ihr Bestes gegeben haben. Minutenlang haben die Tänzerinnen versucht, sich im Achselklammergriff ihrer Partner Richtung Spiegel schieben zu lassen und dabei über passé retiré das hintere Bein nach vorne zu ziehen. Aber die Spannung, die es dafür in den fast horizontal geneigten Becken braucht, will sich partout nicht einstellen. Statt verbissen zu schleifen, lässt der Choreograf die nächsten Takte von Richard Strauss‘ «Tanzsuite» einspielen.

Noch hat er Wochen Zeit bis zur Premiere, die seine erste Uraufführung in Deutschland ist. Seelenruhig poliert er seine Brille, zieht einen Schokoriegel aus der schwarzen Herrenhandtasche, die er mit sich führt – und vertieft sich so in die Fortsetzung des Schaffensaktes, dass er die gewerkschaftlich verbriefte Pause glatt vergisst. Die Tänzer nehmen es nicht krumm. Die Arbeit mit ihm ist, wie sie sagen, ein erfrischendes Abenteuer. Weil Ratmansky, Ex-Chef des Bolshoi-Balletts und Hauschoreograf des American Ballet Theatre, den Kanon des klassischen Tanzes mit dynamischem Pinselstrich renoviert. Unter den ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: menschen, Seite 22
von Dorion Weickmann

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