Abou Lagraa: «Le Cantique des Cantiques» in Wolfsburg
Im Jahr 2001 n. Chr. kam in Frankreich eine Neufassung der Bibel von Olivier Cadiot und Michel Berder auf den Markt, ein literarisches Großereignis. «Le Cantique des Cantiques», das «Hohelied» also, fand in dieser Version bereits mehrfach den Weg auf die Theaterbühne. Cadiot und Berder interpretieren das Hohelied als eine archaische Hymne an die Sinnlichkeit, als verkappte «Sex & Crime»-Story voller Hingabe, Eifersucht, Begierde und Gewalt – wie fürs Theater gemacht, erst recht für den Tanz.
Bei Abou Lagraa, Choreograf mit algerischen Wurzeln, wird aus dem Hohelied ein Hohetanz, ein Ritt durch wilde Liebeslandschaften, ein amouröses Kompendium.
Die Tänzer schweben wie auf Wolke 7 und versuchen zugleich, im Boden zu versinken. Schon dieses Setting spiegelt alle inneren Widersprüche des Verliebtseins, vom platonischen Ideal bis zur rauen Wirklichkeit. Wenn sich die Akteure dann den Trieben überlassen, die auch vor Gewalt nicht Halt machen, treiben ihre Körper die Stimmen zweier Schauspielerinnen zu höchster dramatischer Hingabe. Die Dialektik von Kontrolle und Hemmungslosigkeit, Poesie und Hingabe bildet das Gerüst von «Le Cantique des Cantiques» mit einer Leidenschaft, wie sie ...
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Tanz April 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von Thomas Hahn
Bereits seit 2002 ist der an der Musikhochschule Köln ausgebildete Tarek Assam Ballettdirektor am Stadttheater Gießen, er hält dem kleinen Dreisparten-Haus die Treue – und umgekehrt. Er hat ein Festival, «TanzArt ostwest», etabliert und produziert unverdrossen und zuverlässig mit nur 13 Tänzerinnen und Tänzern. Im Großen Haus steht ihm in der Regel das Orchester...
Sie beide arbeiten schon lange künstlerisch mit Flüchtlingen und Migranten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Jessica Höhn: Mit Flüchtlingen arbeite ich, seit ich freiberuflich als Theaterpädagogin unterwegs bin, also etwa seit zehn Jahren. Es fing mit Theaterprojekten zur Sprachförderung an. Seit sechs Jahren leite ich eine interkulturelle Gruppe am Off-Theater...
Seit Jahrhunderten ragen die Wasserspeier mit ihren Tierfratzen aus der Kathedrale heraus. Sie stehen auf den Hinterbeinen, ganz in Grau, mit eckigen Knien und Armen, Öhrchen auf dem Kopf und Ausbuchtungen überall am kalten Körper. Auf der Bühne der Mainzer Kammerspiele treten sie nun staksend in Aktion. Eine hübsche Idee des französischen Choreografen Stéphen...
