100 jahre eurythmie

Viele aktive Eurythmisten halten ihre aus der Anthroposophie entstandene Kunst für antiquiert. Schuld daran sei die «Versteinerung» dieser Bewegungspraxis, die Marie von Sivers am 24. September 1912 spontan «Eurythmie» taufte. Aber die Zeichen mehren sich, dass auch eine weltanschaulich imprägnierte Kunst sich zeitgenössisch erneuern kann

Tanz - Logo

«Jeder Text ist tanzbar», glaubt Jo Fabian und ordnet jedem Buchstaben des Alphabets einen ganz bestimmten Bewegungsablauf zu. Vergleichbares hat Rudolf Steiner vor schon hundert Jahren auf Bitten einer Schülerin unternommen.

Der Begründer der Anthroposophie schuf eine Bewegungskunst auf weltanschaulicher Grundlage, die er selbst als «sichtbar gewordene Sprache, sichtbar gewordenen Gesang» bezeichnet hat: «eine aus der Vielschichtigkeit des Menschen heraus entwickelte Bewegung mit physischer, lebendig-energetischer, seelisch-emotionaler und individuell-intentionaler, also sinnerfüllter Qualität», wie Alexander Seeger meint. Mindestens diese vier Aspekte von Bewegung, resümiert der Eurythmie-Dozent an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn, spielen in einer eurythmischen Bewegung ineinander. Aspekte, die sich «überall in der umgebenden Welt, zum Beispiel in der Natur und auch spiegelbildlich in der Sprache und in der Musik» wiederfinden.

Die Herkunft
Das klingt komplizierter, als es ist. Tatsächlich hat «Dr. Steiner», wie er in den zeitgenössischen Berichten genannt wird, bei seinem ersten Anfangs- und Grundkurs für die neue Kunst auf einfache Lautfolgen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August 2012
Rubrik: traditionen, Seite 82
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
chancen: workshops, ausschreibungen, auditions

  chancen_________
ausschreibungen

In Hamburg vergibt K3 – Zentrum für Choreografie drei Residenzen für Nachwuchschoreografen von August 2013 bis April 2014. Deadline: 17. September. k3-hamburg.de

In Nordrhein-Westfalen zeichnet das
Projekt «EMA – economy meets art» Kooperationen zwischen Künstlern und Firmen aus NRW aus. Bewerbungen bis zum 15. September.
economy-mee...

Düsseldorf: mélanie demers «junkyard/paradise»

Die Leiterin der Kompanie Mayday braucht keine Notsignalraketen, sie hat schon genügend Feuer. Höchst provokativ legt Mélanie Demers, eine der wenigen Exponentinnen des kanadischen Tanztheaters, in «Junkyard/Paradise» Brandherde, die rabiat an allen möglichen Aspekten alltäglicher Gewalt zündeln: Beziehungen, Abwehrhaltungen, auch an der schützenden Ignoranz. Der...

düsseldorf: va wölfl «arbeitstitel: short cuts/kurze stücke»

Wie lange schon müht sich die Avantgardekunst an ihr ab: Immer voller «Erwartung», wie Arnold Schönbergs Musiktheater-Monodram von 1909 heißt. Auf dieses Werk bezog sich VA Wölfl schon in seinem vorherigen «Neuen Stück» – da wurde sogar tatsächlich gesungen, sehr schön atonal. Auch die neuen «Short Cuts» widmen sich Schönberg, aber bloß noch ahnbar, fast...