Blut ist kein Wasser

Er wollte Akrobat werden, wurde Tänzer, heute zieht es ihn zum Film. Auch ein Getriebener hat starke Wurzeln. Jirí Kylián spricht lieber über das leichte Loslassen und über die Neugier, die ihn treibt

Jirí Kylián zieht in seinem abendfüllenden Event «Zugvögel» mit dem Bayerischen Staatsballett Bilanz über sein bisheriges künstlerisches Leben. Er versammelte dafür Künstler, die ihm Weggefährten sind, und die er wertschätzt. Es sind Zugvögel wie Kylián selbst, Theater- und Kunstnomaden, die, von überall her kommend, ihr Leben umherziehend verbringen. Auch Jirí Kylián zieht weiter. Am 27. Oktober hat in Den Haag sein Abschiedsabend vom Nederlands Dans Theater Premiere. Dann geht eine Ära zu Ende.

Der marode Bau am Spui, das Debüt des inzwischen berühmten holländischen Architekten Rem Koolhaas, wird bald abgerissen, soll aber nach dessen Plänen neu errichtet werden.

Sie gaben bereits vor zehn Jahren die Direktion des NDT auf, aber kreierten weiter für die Kompanie. Zur kommenden Saison verabschieden Sie sich endgültig. Hin zu neuen Ufern?   Ich habe jahrzehntelang an mir Raubbau getrieben. Ich gab die Direktion ab, weil ich das ein Vierteljahrhundert gemacht und genug gesehen habe. Ich denke, wenn man in den Strudel gerät und den Tänzern sagt: Aber ich hab euch das schon alles gesagt, und die antworten: Das waren nicht wir, sondern die früheren, dann denkt man, es ist besser, an ...

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Tanz Juni 2009
Rubrik: Jirí Kylián, Seite 14
von Eva-Elisabeth Fischer

Vergriffen
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