Sehnsucht nach Geborgenheit

Die einen fühlen sich ganz selbstverständlich mit ihr verbunden, die anderen halten sie für ein Auslaufmodell. Neuerdings erlebt sie landauf, landab eine Renaissance: die Heimat.

Heute über Heimat zu sprechen, heißt häufig über ihren Verlust zu reden. Die Sehnsucht nach heimatlicher Zugehörigkeit tritt ein, wenn man sie gerade zu verlieren scheint oder bereits verloren zu haben glaubt. «Heimatverlust» bewirkt einen Phantomschmerz, meist bleibt er unerlöst. Die äußere Heimat – der Boden, der Wald, das Land, der Raum – ist faktisch ja nach wie vor vorhanden, die innere Heimat aber nicht mehr. Wenn die Übersetzung der inneren und äußeren Heimat ineinander misslingt, -treten Verlustgefühle und mit ihnen Verlustängste auf.

Natürlich hat nicht jeder das Empfinden, seine Heimat einzubüßen. Wo kein Verlustgefühl auftaucht, fügen sich innere und äußere Heimat offenkundig so harmonisch ineinander, dass es keinerlei Übersetzung bedarf. Diese Menschen fühlen sich auf ganz natürliche Weise beheimatet und der Heimat verbunden. Für sie gibt es keinen Anlass, über Heimat nachzudenken oder sich die Frage nach ihrer Neudefinition zu stellen. Womöglich wird sie das mittlerweile zum politischen Konflikt gewordene Räsonnement über «Heimat» eher verwundern, manchmal gar verstören. Doch im verstaubt klingenden, überraschend aus dem Archiv abgelegter Ideen hervorgekramten Wort ...

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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Daheim, Seite 56
von Christian Schüle

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