newcomer: johanna chemnitz

Ein nackter Raum im Ballhaus Ost in Berlin. Vier Scheinwerfer bedrängen die Tänzerin wie in einem Käfig. Ihre im Stakkato blinzelnden Augenlider feuern zurück.

Ein nackter Raum im Ballhaus Ost in Berlin. Vier Scheinwerfer bedrängen die Tänzerin wie in einem Käfig. Ihre im Stakkato blinzelnden Augenlider feuern zurück. Die Füße stehen ruhig auf den Dachbodendielen. Von den Lidern wandern rhythmische Schläge durch ihren starken Körper. Zu schnellen Lounge-Beats von Peter Rehberg beißt ihr Blick. Sie ist das eingesperrte Wild. Vorsichtig auf allen dreien hebt sie eine vor Kraft strotzende Tatze in den Raum. Sie ist, wie ihr Solo heißt, ein «Soft Target», das weiche
Ziel der Augen.

Mit der Isländerin Margrét Sara Gudjónsdóttir enwickelte sie diese hypnotisierende Projektionsfläche der Selbstbeherrschung. Keine Bewegung verhuscht, weil sie «nettes Tanzen» hasst.
Jeder ihrer muskulösen Schritte wirkt wie bei einem Tier: kräftig, überlegt, zielgerichtet, vorsichtig. Schon bei ihrer Ausbildung an der Tanzakademie in Arnheim lernte sie, dass mit bloßer Dekonstruktion der Körper eine Katastrophe wird. Er zerzaust, wie zuletzt bei den «Berliner Tanztagen» in ihrem Duett «Dishevelled» mit Sonja Pregrad. Diesen ausgestellten, von der Bühne gefangenen, choreografisch zerstückelten Körper näht sie wieder zusammen. Entschieden reckt sie den Kopf in die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2010
Rubrik: menschen, Seite 28
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
abschied: jochen schmidt

Noch am 10. September ließ Jochen Schmidt in einer E-Mail verlauten, dass er drei Wochen lang im Krankenhaus gelegen habe – und es nur verlassen habe, so schrieb er ohne jede Larmoyanz, um sich «aufs Ende vorzubereiten. Wann das sein wird, kann niemand vorhersagen, vielleicht in ein paar Wochen, vielleicht habe ich noch etwas mehr Zeit. Sicher ist: Aufführungen...

düsseldorf: korea...

...ist seit vielen Jahren im Aufwind. Gemeint ist damit natürlich die Südhälfte des geteilen Landes, nicht das einem autistischen Kommunismus nachhän­gende Nordkorea. Südkorea kennen wir längst als eine bedeutende Wirtschaftsmacht; das Land sucht auch künstlerisch den Anschluss an den Westen. Auffällig, dass sich einige zeitgenössisch arbeitende südkoreanische...

choreografendorf: peter stamers «the village» mitten in der hauptstadt

Die Uferstudios im Berliner Stadtteil Wedding sind ein Schmuckstück. Hier wurde kein Straßenbahndepot wie in Düsseldorf und Frankfurt umgewidmet, sondern ein Bushof. Etwas kleiner sind sie deshalb, die 14 Studios, die seit Oktober vollzählig der Berliner Tanzszene zur Verfügung stehen. Fünf Ateliers sind dem Hochschul­übergreifenden Zentrum Tanz vorbehalten....