Heilige Tanzstätten

Ja, es gibt eine Wiederkehr des Schönen. Des Glaubens. Des Religiösen. Die etab­lierten Kirchen schlagen Alarm. Jugendliche gründen ihre eigenen Gemeinden, in denen sie mit Musik und Tanz die Liebe finden wollen, die ihnen die Gesellschaft versagt. Pop-Ikonen wie Cat Stevens verkünden einen Islam, der mit dem Islam der Medien nichts zu tun haben soll. Vor dreißig Jahren entdeckte Bhagwan die Diskothek als Kirche: Tanzen als Gottesdienst. Tanz als Versöhnung von Körper und Geist.

Tanz gerät erneut in Verdacht, ein Zeichen für Sekten zu sein, die ihre Schäfchen dort abholen, wo sie sich in einem gewissen Alter am liebsten aufhalten.

In der Antike gab es Tanz oberirdisch zur offiziellen Feier der Götter. Unterirdisch in den Höhlen von Eleusis und an vielen geheimen Kultstätten hieß das Zauberwort Initiation. Man spielte Musik, die im Gestein widerhallte, zauberte mit Fackeln Licht- und Schattenspiele, genoss Rauschgifte wie zum Beispiel das Mutterkorn. Die Höhlen lagen in sicherer Entfernung, waren bewacht von einem Türsteher. Ist die Diskothek etwas anderes? In den zahllosen Tanzkulten der geschlechtlich gemeinten Initia­­tion «dienten» sie erotischen Göttern wie Adonis, Dionysos, ...

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Tanz Dezember 2006
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

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