Frühes Unglück
Einen Tanztheater-Topstar wie ihn in die Pfalz zu locken, in ein bislang eher als regional wahrgenommenes Theater, das darf man ruhig als Coup bezeichnen. Alan Lucien Øyen arbeitet ansonsten an der Pariser Opéra oder beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, nun hat ihn Tanzdirektorin Luisa Sancho Escanero für ein abendfüllendes Stück nach Kaiserslautern gelotst. Dort dürfte ihm sicher das langjährige Wirken ihres Vorgängers James Sutherland den Boden bereitet haben, dessen klare, moderne Symbolik aber doch immer noch Reste von Handlung enthielt.
Anders als bei «Bon Voyage, Bob», Øyens Wuppertaler Stück aus dem Jahr 2018, arbeitet der Norweger hier nicht ständig gegen den Vergleich mit der Legende Pina Bausch an, bewegt nicht respektvoll weltbekannte Darstellerikonen, sondern ein junges, dem Publikum noch kaum bekanntes und neu zu entdeckendes Ensemble. Die anfangs leicht verdutzten Premierenzuschauer merkten sehr schnell, wie eindrücklich dieses «schöne Scheitern» ist: ein leises, trauriges, ehrliches Stück über die verlorene Kindheit und schlimme Erinnerungen.
Auf den ersten Blick ähnelt «Beautiful Failure» mit der bewussten Kulissenhaftigkeit der Bühne, mit den sich ständig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Angela Reinhardt
Im ersten Moment fühlt man sich wie in einer Talkshow. Mit übergeschlagenen Beinen sitzen Simon Hartmann und Daniel Ernesto Mueller einander zugewandt auf der Bühne des Mülheimer Ringlokschuppen. «Wie fühlst du dich?», möchte der eine vom anderen wissen. Abwechselnd erzählen sich die beiden Hartmannmuellers aus ihrem Leben. Ein Seelenstriptease, nichts ist, wie es...
Der Fußball hat Jérôme Boateng, der Schlager hat Roberto Blanco. Was hat der Zirkus? Auf jeden Fall keine Stars, die man auf der Straße erkennt, auch wenn man sich für das Genre gar nicht interessiert. Also konstruiert man sich Stars. Und wie macht man das? Mittels einer Castingshow namens «Showdown», in der sich sieben Artist*innen verausgaben. Behauptet zumindest...
das sind meine Pronomina und immer öfter nenne ich sie direkt dazu, wenn ich mich jemandem vorstelle. Das zu normalisieren, gibt trans Personen sowie Menschen, die sich außerhalb eines binären Geschlechtersystems verorten, die Chance, sichtbar zu werden und unangenehme Korrekturen oder Aufklärungsgespräche zu vermeiden. So weit, so einleuchtend. Aber warum ist das...
