Kindheitsglück

Eskapismus der schneeweißen Zartheit: Xin Peng Wang macht sich zum dritten Mal in Dortmund an «Schwanensee». Nicole Strecker hat den Choreografen getroffen

Tanz - Logo

Da kann einer nicht lassen, vom Ballett der Ballette. Bereits zum dritten Mal inszeniert Xin Peng Wang «Schwanensee».

Immer anders, immer neu, wie das Ballett Dortmund beteuert, und mit der aktuellen Version feiert er nicht nur sein 20-jähriges Dienstjubiläum als Tanzchef in der Ruhrgebietsstadt, er visualisiert auch gewissermaßen seinen Erfolg: War die 2005er-Edition aus Budgetgründen noch ein vom Artensterben bedrohter «Schwanenteich», so ist der Wildvogelbestand in zwei Jahrzehnten gewaltig gewachsen: Fünfundzwanzig (!) Schwanen-Damen trippeln hier in Spitzenschuhen durch den halbdunklen Bühnenraum. Der zierliche Tänzer Dinu Tamazlacaru als Held Siegfried ertrinkt förmlich in dieser Woge aus geisterweißen, zitternden Körpern, die immerzu ihre Schwarmformation ändern. Und bei aller Schönheit und Eleganz kommt bei 50 flügelschlagenden Frauenarmen durchaus Mystery-Thriller-Grusel auf. Es wird wohl kein gutes Ende nehmen mit diesem schwanenberauschten Siegfried.

«Ich habe zum ersten Mal als Kind den ‹Schwanensee› gesehen», erzählt Xin Peng Wang und spielt ironisch mit aufgerissenen Augen und seligem Lächeln sein damaliges Kinderstaunen nach. Ein bisschen Schauspiel hilft bei der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
Gregor Zöllig «Carmina burana»

Wenn man ein Tanzstück zu Carl Orffs «Carmina Burana» choreografiert, dann ist es souverän, im Programmheft Eric Friesens Aufsatz «Der Big Mac der klassischen Musik?» abzudrucken. Weil Friesen hübsch dualistisch beschreibt, dass die 1937 uraufgeführte Kantate erstens politisch schwierig ist (Orff war zwar wohl kein Nazi, durchaus aber ein Nutznießer des Regimes)...

Backlights 12/23

Vancouver
SHAHAR BINYAMINI «BOLERO X»
Eine fulminante Kreation hat Anfang November in Vancouver die Triple Bill des Ballet BC komplettiert: «BOLERO X», Shahar Binyaminis muskulös-pirschende Interpretation von Maurice Ravels weltberühmtem Orchesterstück. Beeindruckend war nicht nur das Aufgebot von 50 Tänzer*innen auf der Bühne des Queen Elizabeth Theatre (das...

Puzzlespiel

Sie lernten sich 1987 als Studenten an der Royal Ballet School kennen und sind seither zumindest beruflich unzertrennlich: Michael Nunn und William Trevitt, die anno 2000 die BalletBoyz (anfänglich noch unter dem Namen George Piper Dances) gründeten und die Kompanie bis heute gemeinsam leiten. Die Idee zu ihrem aktuellen, bisher wohl ambitioniertesten Projekt kam...