Wiedergeburt

Alte Rollen, neue Besetzung – wie geht das? Ein Report von Nicole Strecker

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Ein Schlüsselmoment im Leben. Ein 18 Jahre junger Tanzstudent sitzt mit seiner Klasse in der Turbinenhalle der Tate Modern Gallery in London. Eine zarte, blasse Frau betritt die Halle, und plötzlich ändert sich etwas im Raum. Die Blicke kennen nur noch einen Fixpunkt. Seine Kommilitonen sind – wie er es nennt – «star-struck». Sie tuscheln. Ein Name fällt: Pina Bausch. Dem jungen Mann sagt das nichts. Doch als Bewegung in die Studierenden kommt und sie alle ein Autogramm von dieser Frau wollen, schließt auch er sich an.

Eine Metamorphose im Leben.

Eine junge Frau Ende 20, sehr emanzipiert, schließlich hatte sie eine feministische Mutter. Sie liebt es, sich verrückt zu kleiden. Als Teenager färbt sie sich die Haare grünblau, verwirbelt sie zu Dreadlocks. Mit ihrem neuen Engagement sind solche Spleens vorbei. Ihre langen Locken müssen natürlich aussehen. Sie muss elegante Kleider mit tiefen Dekolletés tragen, auf High Heels stöckeln. Das ist nicht sie, denkt sie anfangs. Das ist nicht ihr Bild von Frauen. Irgendwann merkt sie, dass sie sich hat täuschen lassen. In jeder dieser gefällig-schönen «Bausch-Dämchen» steckt auch sie, steckt die unabhängige moderne Frau, die keine ...

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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Pina Bausch, Seite 78
von Nicole Strecker

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Blick zurück

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Ungarn

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