Exzessmaschine
Wenn sich im Gebirge ein Unwetter verzogen hat, dann entsteht manchmal eine bemerkenswerte Lichtsituation. Die dunklen Wolken hängen tief, die Berge sind im dichten Nebel versteckt, aber direkt über dem Boden befindet sich eine klare Zone, durch die sich gleißendes Licht bricht. Es ist hell, aber die Wolken sind weiterhin da, schwarz und drohend, es könnte sein, dass sie sich noch einmal zusammenziehen – man befindet sich in einem Zwischenzustand, bei dem noch nicht sicher ist, was aus ihm wird, Gewitter oder Sonnenschein. Eine verzauberte Zone.
Martin Hauk und Jörg Bittner erschaffen mit ihrem Lichtdesign für den ersten Teil von Sasha Waltz’ «Beethoven 7» solch eine verzauberte Zone im Berliner Radialsystem. Die Bühnenrückwand ist eine dunkle Fläche, nur der unterste Bereich erscheint hell, sogar extrem hell. Und im Saal wabert derweil Kunstnebel, eine Wolkenskulptur, die zunächst auf die Bühne beschränkt ist, sich dann aber aerosoltypisch ins Publikum ausbreitet. Faszinierend: Der Nebel vollzieht eine zwar langsame aber stetige Bewegung in Richtung Zuschauer*innen, während sich die unter alienhaften Helmen (Kostüme: Bernd Skodzig und Federico Polucci) versteckten Tänzer*innen ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 10
von Falk Schreiber
Verzückung, Verrückung, obskures Ritual: Sechzehn weiß gewandete Gestalten in Spitzenhäubchen und Krinoline kleben im Pulk aneinander. Der Raum ringsum leuchtet so rot wie die Innenmembran einer Gebärmutter, während die mysteriösen Sektierer*innen, die an das Personal eines Daphne du Maurier-Schauerromans à la «Rebecca» erinnern, unsichtbare Schicksalsfäden zu...
Rotterdam bekommt ein neues Tanzhaus. Am Südufer der Maas wird ein ehemaliges Lagerhaus von der chinesischen Firma MAD-Architects zu einem Powerhouse für den Tanz umgebaut. Das Haus ist eigentlich Teil des FENIX Lagerhauses, in dem die Stiftung Droom en Daad ein Museum für Migration einrichtet. Die Stiftung, die in Stadtentwicklung insbesondere im Bereich Kultur...
Hannover
OSTERTANZTAGE
Das Staatsballett Hannover dürfte sich freuen, dass es nach den Schlagzeilen (S.48 ff.) jetzt einfach mal wieder zur Sache geht, sprich: zur Kunst. Die «OsterTanzTage» in der niedersächsischen Landeshauptstadt warten nicht nur mit einem hauseigenen Ballettabend auf, sondern mit der «Matthäus-Passion 2727», die als interreligiöse,...
