Prinzip Held

In Gelsenkirchen dekonstruieren Felix Landerer und Giuseppe Spota die Abenteuer des «Odysseus»

Kein Odysseus weit und breit. Kein Kriegergott, keine Sirenen, kein trojanisches Pferd, kein aufgepeitschtes Meer. Nur die Tänzerin Holly Brennan, sie kauert in der Mitte der dunklen Bühne, einsam, müde, Penelope vielleicht, Odysseus’ Frau, die auf die Rückkehr des Kriegers wartet? Oder Kirke, ausgenutzt und verlassen? Irgendwann stolpert Inwoong Ryu um sie herum, stürzt, wankt, fängt sich wieder, schließlich richtet er sie auf.

Worauf die Tänzerin Giuseppe Spotas Bühneninstallation erklimmt, einen multifunktionalen Bretterverschlag, der im Laufe des Abends Fels sein wird und Schiffsbug. Und der in sanfter Rotation das Stück in Bewegung setzt.

Minimal Music, Field Recordings, Pop
«Odysseus» ist eine gemeinsame Choreografie von Spota, seit 2019 Tanzchef am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier, und Felix Landerer, ab Sommer Spartenleiter und Chefchoreograf in Bielefeld – kein Double Bill, in dem die eine künstlerische Handschrift auf die andere folgt, sondern tatsächlich eine Kooperation, in der die beiden Choreografen kollektiv ein Stück entwerfen (das zudem, so das Programmheft, «in Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen» enstanden ist). So eine Kooperation ist kein ganz einfaches ...

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Tanz März 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Falk Schreiber

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