Noé Soulier
Covid-19 hat unser Verhältnis zum Körper gestört. Zu den Körpern anderer Menschen, indem es uns zwang, sämtliche Kontakte zu unterdrücken und einen Teil unseres Gesichts zu maskieren, aber auch zum eigenen Körper. Die Menschen, denen wir begegnen, nicht sehen und nicht berühren zu können, führt zur Auslöschung unseres eigenen Körpers. Dieser Prozess wird durch die vermehrten virtuellen Zusammenkünfte nur noch begünstigt.
Die Unmöglichkeit von Live-Performances hat die Art und Weise sichtbar gemacht, wie Tanz kraft seiner ureigensten Natur Widerstand leistet gegen die ständige Ausweitung der virtuellen Dimension unserer Welterfahrung. Dennoch haben die Einschränkungen zu einer Vervielfachung von Video-Projekten geführt, welche neue und extrem stimulierende Formen des Teilens und Betrachtens von Tanz erzeugen. Ich bin sehr neugierig darauf, die zahlreichen choreografischen Projekte zu entdecken, die – ob live oder digital – während der Zeit der Isolation entwickelt wurden und die das Zeichen jener eigentümlichen körperlichen, psychologischen und sozialen Situation tragen, die wir nach wie vor erleben.
Nach den abgesagten Tourneen der zurückliegenden Saison habe ich ein Video-Projekt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 37
von
«Erfinden besteht in der Fähigkeit, das Potenzial eines Stoffes zu erfassen, und in dem Talent, Gedanken zu formen und zu gestalten, die ihm entsprechen.» Dieser Satz, von Mary Shelley 1831 mit Bezug auf das sprichwörtliche «Ei des Kolumbus» im Vorwort zu ihrem «Frankenstein»-Roman formuliert, lässt sich trefflich auf diese vermeintlich simple Kreation eines...
Das Ende der Welt ist gar nicht so weit weg. Doch um dahin zu kommen, müssen wir die Wege des Genfer ÖVs ergründen. Foofwa d’Imobilité sollte das theoretisch leichtfallen. Er ist hier aufgewachsen. Praktisch aber bewegt er sich, seit er aus New York zurückgekehrt ist, mit dem Fahrrad durch seine Heimatstadt. «Das ist das Schöne an einer so kleinen Stadt: Man kommt...
Die Covid-Zeit ist ein Schwamm. Die Flüssigkeit, die dieser Schwamm aufsaugt, ist Zeit. Am Anfang war der Schwamm voll, und plötzlich hatte ich Zeit, um mich um all den Rückstand kümmern zu können. Und dann war die Zeit plötzlich wieder komplett weg. Der Schwamm ist wieder trocken und saugt mehr Zeit auf als zuvor. Und falls es nicht enden wird?
Die Covid-Zeit ist...
