Die Geschäftsfrau

Assis Carreiro hat im internationalen Tanzbetrieb schon jede Menge Positionen bekleidet. Als selbstständige Agentin weiß sie auch deshalb, wo’s langgeht.

Die Kultur-Strategin wundert sich, warum wir ausgerecht sie um ein Interview gebeten haben. Nun, sagen wir, es werde doch nichts dringender gebraucht in dieser Krise als Strategien. Assis Carreiro lacht. «Im Gegenteil», meint sie, «nichts nützt uns weniger im Moment.» Pläne werden auf Wasser geschrieben dieser Tage: kaum entworfen, schon davongeschwemmt. Wer sich an Vorsätze klammert, ist verloren.

Heute geöffnet, morgen geschlossen, übermorgen dann wieder Türen auf – wer weiß schon, was die nächsten Monate den Theatern und den Theaterleuten bringen werden? Carreiro betätigt sich dieser Tage vor allem als Agentin. Und sitzt damit an der Schnittstelle zwischen Kunst und Künstler. Hat im Blick, was zurzeit kulturell möglich ist in den verschiedenen Teilen der Erde. Wie es den Freiberuflern ergeht, was die Pandemie mit den Honoraren macht, wie weit Tanzschaffende in die Zukunft zu denken wagen. Das Wort Agentin aber mag sie nicht. «Leider hat der Titel einen schmutzigen Beigeschmack. Dabei brauchen viele Kreative jemanden, der für ihre Interessen einsteht, sie beschützt.»

Lang macht sie das noch nicht, das mit dem Beschützen. Zuvor hat sie die Branche aus fast allen Perspektiven ...

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Tanz Juli 2021
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Wiebke Roloff-Halsey

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