Amsterdam on tour: Lisbeth Gruwez «Piano works Debussy»

Ungewöhnlich ist Lisbeth Gruwez’ Tanzkunst schon immer gewesen. Seit ihrer ersten Choreografie, dem Solo «Forever Overhead» (2008), kennzeichnet ein Mix aus Explosivität und Risikofreude ihre Arbeiten. Längst hat sie sich aus dem künstlerischen Einflussbereich Jan Fabres herausgetanzt und ihre eigene Stimme gefunden. Mit den Jahren ist es ihr gelungen, ihre unbändige Energie in zunehmend gegliederte Strukturen zu kanalisieren. Um gescheite Diskurse und ausgeklügelte Choreografien hat sie sich kaum geschert.

Stattdessen vermag sie Bewusstseinszustände nahezu umweglos und mit äußerster Präzision in Bewegung zu transformieren. Das macht sie zu einer Ausnahmetänzerin.

Die Zusammenarbeit mit der Pianistin Claire Chevalier ist ein Glücksfall: Chevalier gibt sich Claude Debussys Klängen ebenso rückhaltlos hin wie Gruwez ihren Bewegungen. Eine Stunde bezaubernder Klang- und Bewegungskunst entsteht, die vergessen lässt, dass Gruwez hier erstmals mit live gespielter Klassik operiert.

Zunächst blicken sich die Künstlerinnen über das Klavier hinweg an. Nachdenklich hebt Gruwez ein Bein, beugt sodann das andere und streckt die Arme gerade vor sich aus. Sie wiederholt diese Figur einige Male ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2020
Rubrik: Kritik, Seite 33
von Pieter T‘Jonck

Weitere Beiträge
Selbstbestimmt

Monika Gintersdorfer, Sie arbeiten mit zwei freien Gruppen: mit La Fleur und, seit fünfzehn Jahren, mit Gintersdorfer/Klaßen. Voraussetzung Ihrer Arbeit ist das Beantragen von Fördergeldern und die Zusammenarbeit mit Koproduzenten. An welche Grenzen stößt dieses Modell? Die Logik von Förderungen ist ihre zeitliche Gebundenheit: Man kann aus Förderungen keine...

Mach nur einen Plan

Sicherlich ist es noch zu früh, um die Spätfolgen abzusehen. Die Spätfolgen der Corona-Krise für die Kunst- und Kulturschaffenden dieses Landes. Es ist noch zu früh, um den finanziellen Abgrund zu sehen, der sich vielleicht auftun wird. Der Abgrund, in den dann – vielleicht nächstes, vielleicht übernächstes Jahr – viele Tanz- und Theaterschaffende fallen könnten....

Frivole Feen

Kein Laut. Alles schläft. Nur die drei Nornen sind allgegenwärtig, langhaarig, bärtig, in weißen Tutus auf ihren Stühlen sitzend: «Ladies of Time», wie Christian Spuck sie nennt, die im weiteren Verlauf des Abends immer wieder Uhren aus den Taschen ihrer schwarzen Fräcke hervorziehen, um zu wissen, wem die Stunde geschlagen hat. Die hohe Flügeltür öffnet sich, und...