Der wilde Mann
Diese Bilder, sie bleiben einem für immer im Kopf: Der Alte mit der Pickelhaube, der zu Mahlers «O Mensch» mit der Kreissäge Babypuppen zersägt; das brennende Herrensakko im Schrank und bald darauf der Kopf einer jungen Frau in der Gasbackröhre; die Blutpumpe an blendendweißen Wänden, dann das blutige Gekröse, das ein Priester in vollem Ornat aus schwappenden Eimern stoisch ein ums andere Mal in den Orchestergraben kippt. Dieses Theater hantiert mit Bildern und grausamen Aktionen; es watet in Kotze, Scheiße und Blut. Dann erst kommt der Tanz.
Der sieht – hoch das Bein in der Chorus Line! – manchmal aus wie in grell-billigen Revuen. Und dann wieder wie dem Expressionismus entliehen. Mit Bewegungsschüben abgewinkelter Gliedmaßen an konvulsivisch ruckenden Rümpfen à la Kurt Jooss, bei dem der Choreograf dieser bewegten Zumutungen, anders als die Protagonistinnen des Tanztheaters, aber gar nicht studiert hat. Sein Theater ist gewalttätig, brutal, laut und aggressiv. Es schont seine Akteure genauso wenig wie die Zuschauer.
Schinderhannes
Der da so wütend um sich schlägt, der – mal brüllender Despot, mal liebevoller Kümmerer – aus den Tänzerinnen und Tänzern das Letzte an Einsatz und ...
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Tanz Oktober 2019
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Eva-Elisabeth Fischer
Schon als Tänzerin war Birgit Keil eine Ausnahmeerscheinung: die Ballerina von Weltformat, auf die Deutschland, wie der amerikanische Kritiker Clive Barnes einmal anmerkte, so lange hatte warten müssen. Im Star-Quartett des Stuttgarter Ballettwunders der 1960er-Jahre war sie das heimische Gewächs. John Cranko, der sie 1961 ans Stuttgarter Ballett holte und sie...
Am Ende sagt die Mutter, es sei ihr egal, ob sie einen Sohn, eine Tochter oder eine Kakerlake geboren habe. Es sei ihr egal, denn ihr gehöre die Zukunft nicht. Die Tochter antwortet: «Was für dich keine Konsequenzen hat, wird mir mein Grab graben / Was dir Freude bereitet, wird die Quelle meines Leidens sein / Was du dir nicht vorstellen kannst, wird mein tägliches...
Boris Charmatz hat die Leitung des Centre Chorégraphique National in Rennes abgegeben, für ein anderes will er sich so schnell nicht bewerben. Ihn interessieren Institutionen neuer Art. Eine nationale französische Tanzkompanie fände er spannend, dann wären auch monumentalere Projekte möglich. Das sagte er bei «Montpellier Danse», wo sein neues Stück «infini»...
