Silvana Schröder: «Piaf – La vie en rose» in Gera

Nein, sie empfiehlt sich nicht auf Französisch. Am Ende des Ballettabends stimmt Édith Piaf aus dem Off ein «Heaven Have Merci» an, bevor sich Vasiliki Roussi von der Bühne verabschiedet – «die Sängerin, die öffentliche Person» (wie es im Programmheft im Gegensatz zur «Tänzerin» heißt). Die Augen aufgerissen, das Gesicht bleich, der Mund grotesk verschmiert wie von einem Lippenstift, scheint sie sich schließlich aufzulösen in den Armen ihres tänzerischen Alter Egos: ein in seiner Aussagekraft, auch in seiner Ruhe bewegender Augenblick.

Mit dem gleichen Dankgebet, diesmal unter seinem ursprünglichen Titel «Miséricorde», beginnt der gut zwei Stunden dauernde, pausenlose Abend. Anfangs ist die Sängerin nur zu hören, erst nach und nach arbeiten sich die Hände Vasiliki Roussis durch den Vorhangspalt zu den Zuschauern hindurch – als wolle diese Piaf partout Protagonistin eines Balletts werden. Tatsächlich hat die Piaf einige Jahre vor ihrem Tod 1963 zusammen mit ihrem Manager ein «comédie ballet» entworfen, selbst aber nicht mehr realisiert. Posthum hat Pierre Lacotte «La Voix», die Stimme, choreografiert und 1965 fürs Fernsehen aufgezeichnet. Silvana Schröders «Piaf – La vie en rose» ist ...

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Tanz April 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz

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