die weise von liebe und tod

Anne Teresa De Keersmaeker: «Die Weise von Liebe und Tod ...»

Tanz - Logo

Johan Simons, der bisherige Intendant der Münchner Kammerspiele, nun Intendant der «Ruhrtriennale», liebt den Tanz. Er war selbst einmal Tänzer. Den nachhaltigen Schlussakkord seiner ersten Triennale setzte Anne Teresa De Keersmaeker. Sie modulierte aus Rainer Maria Rilkes fiebrigem Prosa-Poem «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke» ein synästhetisches Tanz-Theater, in dem Wort, Bewegung und Musik zu einer grandiosen Synthese verschmelzen. Die außergewöhnliche Tänzerin De Keersmaeker überrascht dabei als ebenbürtige Schauspielerin.

Denn sie vermag die rhythmisch getaktete Erzählung vom jungen Soldaten, der während der Türkenkriege in naiver Euphorie dem Heldentod entgegenreitet, mit voller Bruststimme auf Deutsch zu deklamieren. Man hört also den berühmten Beginn: «Reiten, reiten, reiten.» Sie lauscht dem Poem mit dem Körper den ihm eigenen Takt ab, lässt sich von ihm beatmen, was die Phrasierung des Gesprochenen wie auch der Bewegung bestimmt. Getragen von ihrer höchst musikalischen Diktion, transformiert sie rastlos trippelnd, aushufend, sich drehend und dehnend die Sprache in Tanz. Ohne je der Versuchung zu erliegen, das gesprochene Wort zu verdoppeln.

Und es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 45
von Eva-Elisabeth Fischer

Weitere Beiträge
roselare on tour

Bei der Uraufführung, die das HR-Fernsehen im Frankfurter Theater am Turm für die Ewigkeit mitschnitt, holten die vier Schauspieler am Ende den Autor auf die Bühne. Der dünne Typ mit halblangen Haaren und Sonnenbrille setzte sich auf die Bühnenkante und hob die Arme wie ein Chordirigent. Lauter! Alle miteinander! Das Publikum applaudierte und buhte, strömte eilig...

shape & design

Ein Rechtsstreit um die Nachfolge auf dem Chefsessel, Schulden und zuletzt heftige Wasserschäden infolge des Hurrikans «Sandy» an eingelagerten Ausstattungen die Martha Graham Dance Company hat schwere Zeiten hinter sich. Aber die seit 2005 amtierende Künstlerische Direktorin Janet Eilber setzt alles daran, die Kompanie im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Sie...

serie: master-macher

Die Ballettakademie der Wiener Staatsoper ist eine Schule mit Tradition: 1870 wurde sie durch das «Organisations-Statut für die Ballett-Tanzschule am k. k. Hof-Operntheater» begründet. Hier lernte u. a. auch Grete Wiesenthal, bevor sie mit ihren Choreografien und der Wiesenthal-Technik international Erfolg hatte. Seit 1980 ist die Schule im Hanuschhof direkt neben...