verteidigt das ensemble
Es gibt keinen Zweifel: Der Tanz hat in den letzten Jahren kulturpolitisch erheblich an Bedeutung gewonnen. Da war wohl der Tanzszene nach einigen Abwicklungen städtischer Kompanien, etwa in Köln, Bonn und Frankfurt/Main, der Schock in die Glieder gefahren.
Oder hat tatsächlich «Rhythm Is It!» mit seinem tanzpädagogischen Hype, der von diesem letztlich wenig nachhaltigen Projekt ausging, den entscheidenden Impuls gesetzt? Immerhin entdeckte dank des gleichnamigen Films auch die Politik, welche Kraft in einem Tanzprojekt mit Jugendlichen steckt, und schrieb sich den Tanz auf die bildungspolitischen Fahnen. Spätestens 2005, nach der Ankündigung von beträchtlichen Geldern für den Tanzplan Deutschland durch die Kulturstiftung des Bundes, erwachten jedenfalls alle lobbyistischen Geister des Tanzes. Immerhin lockten insgesamt 12,5 Millionen Euro, gestreckt über fünf Jahre, also 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Das weckte Fantasie sowie Begehrlichkeiten. Man gründete den Dachverband Tanz, und es entstand im Rat für darstellende Kunst und Tanz – einer Sektion des Deutschen Kulturrats – ein Beirat, der sich mit tanzpolitischen Belangen besonders befasst. Zuweilen entsteht dennoch – angesichts ...
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Tanz März 2015
Rubrik: ideen: tanz und politik, Seite 64
von Rolf Bolwin
Nanine Linning kennt keine Berührungsängste. Schon vor Jahren holte sie bei «Francis Bacon» ihre Zuschauer auf die Bühne, und auch beim «Requiem» in Osnabrück ließ sie es nicht bei bloßer Tuchfühlung bewenden. Noch nie hat sie allerdings ihr Publikum so zu Performern gemacht wie in «Hieronymus B.» In zwei Gruppen eingeteilt, führt ein Parcours die Besucher zunächst...
Eine Hotellobby in Oslo, vor den Fenstern tanzen Schneeflocken und verhüllen die städtische Belle-Epoque-Pracht mit glitzernden Eishauben. Übers Pflaster der Karl Johan Gate, die Nationaltheater und Parlament verbindet, schlitterte einst auch Edvard Munch. Heute zählen seine Bilder und Zeichnungen zu den kulturellen Schätzen des Landes. Trotzdem bekennt Kristin...
Die Bühne des Theaters St. Gallen gleicht dem Schaufenster eines Blumenladens vor dem Valentinstag: Rund um den Bühnenrand reiht sich Herz an Herz. Oben in der Mitte hängt das größte – zerbrochen. Hier wird «Roméo et Juliette» gegeben, nicht mit der üblichen Ballettmusik, sondern zur Dramatischen Sinfonie von Hector Berlioz. Beate Vollack, die neue Tanzchefin in...
