herbert fritsch

Für ihn sind Schauspieler «Tänzer ohne Führerschein». Mit ihnen wurde er wiederholt zum «Theatertreffen» in Berlin eingeladen. Sie tanzen dort sein jüngstes Opus «Ohne Titel Nr. 1»

Herbert Fritsch, woher kommt es, dass ich bei «Ohne Titel Nr. 1» denke: War das jetzt Tanztheater?
Weil es trivial scheint, weil eine Geschichte nicht wichtig ist, weil der Text keine Rolle spielt, denn der ist für mich immer nur Anlass für Missverständnisse. Dagegen sind ein klarer Blick, eine klare Geste völlig unmissverständlich. Bewegung ist überhaupt ganz ursächlich fürs Theater. Theater ist Tanz und Gesang und nicht unbedingt das, was textlich verfasst ist.

Ein Riesensofa, darauf zwölf Spieler – für Tanzverhältnisse wäre das schon die ganz große Form – und das Publikum lacht und lacht.
Ich bin nun mal verschrien als der Komödienonkel mit dem Turbo-Spaßtheater. Spätestens beim Wort «Spaß» fühle ich mich aber fast beleidigt. Das klingt nach «Supernasen» oder so was. Komödie ist nun mal das Genre, das zum Lachen da ist, damit man sich den Kopf leer schütteln darf, damit man bei sich selbst aufräumen darf. Ich hätte auch keine Lust auf dieses deutsche Jammertheater, auf kreischende Frauen, die durchdrehen, sich mit Blut übergießen, in Wahrheit aber völlig saturierte Wohlstandsmenschen sind. Das sind doch Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, die auch keine Aufarbeitung der ...

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Tanz Mai 2014
Rubrik: menschen, Seite 20
von Arnd Wesemann

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