wem der takt schlägt

Tanz und Musik treten seit Urzeiten im Tandem auf, aber ihr Verhältnis ist keineswegs pure Harmonie. Mal führt der eine, mal die andere, und manchmal haben sie einander auch gar nichts mehr zu sagen

Takt ist eine lebendige Struktur, er pulsiert regelmäßig, so wie die Herzschläge, aber eben nicht völlig gleichförmig. Genauso wenig wie der Rhythmus, der den Takt erst interessant macht, weil er von ihm abweicht. Über den legt sich wiederum die Melodie, großbögig ausgeformt oder kleinteilig, nur als Motiv oder Tonfolgenpartikel erkennbar. Auch sie geht mit den anderen Parametern eine komplexe Beziehung ein, wird erst durch Anpassungen und Abweichungen besonders – zumal sie sich in der Lautstärke und Geschwindigkeit ändern kann, in ihrer Instrumentierung, in der Tonart.



Dieses immer wieder neu und immer wieder unendlich anders verflochtene Gebilde nennen wir Musik. Es langweilt uns auch nicht nach x-fachen Wiederholungen, weil es lebt, live und jetzt. Weil es direkt vor uns von Menschen gespielt wird, die fehlbar sind. Gerade die Abweichungen von der vorgeblichen Norm ziehen uns immer wieder an. Sind sie bewusst und gekonnt ausgeführt, nennen wir sie Interpretation, die mal mehr, mal weniger sinnreich ausfällt.

Echter Orchesterklang

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Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 96
von Manuel Brug

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