Wim Vandekeybus: «Oedipus / Bêt noir»
Das hat Wim Vandekeybus toll hinbekommen: In ein und demselben Festival mit «Monkey Sandwich» eines seiner besten Stücke seit Jahren zu zeigen und mit einer weiteren Arbeit, «Oedipus / Bêt noir», einen hübschen Skandal loszutreten – so geschehen bei «ImPulsTanz» in Wien.
Wäre der Sommer nur ein bisschen weniger turbulent gewesen – der Terroranschlag in Norwegen, die Börsensause, die Londoner Krawalle verhagelten die Sauregurken-Zeit –, dann hätte die österreichische Boulevardpresse kräftiger aufgegeigt.
Denn am Ende von «Oedipus / Bêt noir» bringt Vandekeybus ein Baby auf die Bühne. Da liegt das Würmchen, allein und, wie es scheint, so hilf- und schutzlos auf der Bühne. Eine große Lampe schwingt hin und her, taucht den Raum in sinistres gelbes Licht, während eine Gruppe von Gestalten auf das Kleine zukriecht. Da beginnt es ein wenig zu weinen.
Es gab Anzeigen, ein Gerichtsverfahren drohte. Man greinte: «krank» sei das. Am lautesten («Kindesmissbrauch!») protestierte die national-konservative FPÖ. In der Presseaussendung der skandalhungrigen Wiener Freiheitlichen heißt es: «Unter dem Deckmantel der Kunst wurde ein Kleinkind mitten in der Nacht auf die Bühne gelegt.» Kompliment. Das ...
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Tanz Oktober 2011
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
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