Weltenwanderin
Als Michelle Willems vor fünf Jahren Daniel Mulligan im Opernhaus Zürich auf offener Bühne eine langte, wussten wir, dass hier eine selbstbewusste Tänzerin herangewachsen war. Selbstredend war das alles Spiel, nämlich Christian Spucks «Nussknacker und Mausekönig» (tanz 12/17). Michelle Willems tanzte die Marie und Daniel Mulligan den Bruder Fritz. Und der nervte. Also verpasste ihm die Schwester eine Ohrfeige. So weit, so gewollt – vom Choreografen Christian Spuck. Aber wie Michelle Willems das tat, ohne mit den Wimpern zu zucken, blitzschnell, filmreif.
Eben noch stand Verwunderung in diesem jungen Gesicht geschrieben, darauf folgt übergangslos Trotz, dann wieder Freude – über Drosselmeiers Geschenk beispielsweise, den Nussknacker. Später wird im selben Gesicht Grauen zu Zorn oder Trauer zu Staunen – so deutlich das ist, so schnell das geht, nie ist es plakativ. Müsste sie ein Lieblingsballett aus ihrer Zeit beim Ballett Zürich wählen, die Arbeit mit Ballettdirektor Christian Spuck an
«Nussknacker und Mausekönig» stünde sicher ganz vorn. «Es war meine erste Kreation einer Hauptrolle», sagt Michelle Willems, die, selbstbewusst wie sie eben ist, weiß, dass ohne mitdenkende ...
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Tanz März 2023
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Lilo Weber
Dass die Limón Dance Company zum 75. Geburtstag durch Deutschland tourt (siehe S. 38), ist stimmig: Es war ein Auftritt von Harald Kreutzberg und Yvonne Georgi, der José Limón 1929 dazu bewog, die Tänzerlaufbahn einzuschlagen. Kreutzberg hatte dem jungen, in Mexiko geborenen Künstler zur Erkenntnis verholfen, dass «ein Mann mit Würde und überragender Majestät...
Dunkle Wolken ziehen über Den Haag auf. Donner peitscht die Küste entlang, Schaum tanzt auf den Wellen. Doch als das Orchester die Tanzsuiten von Béla Bartók anstimmt, legt sich der Wind. Das Wetterbild auf der bühnenbreiten Videoleinwand in Den Haags Kulturhaus Amare wechselt von verhangenem Winterhimmel zu schimmernden Meereswellen. Dennoch bleibt es unter Wasser...
An «Schwanensee» kommt man als Choreograf nur schwer vorbei. Auch Olaf Schmidt hat den Klassiker schon zweimal auf die Bühne gebracht, 2000 in Karlsruhe, 2008 in Regensburg. Weswegen jetzt ein neuer Blick auf den kanonischen Stoff her muss: In Lüneburg koppelt Schmidt «Schwanensee» mit Dostojewskis Roman «Der Idiot». Wobei: Was heißt «koppelt»? Auf den ersten Blick...
