Warm-up 4/22
Keine 600 Kilometer liegen zwischen Lwiw in der Westukraine und Dresden. In Dresden wiederum trennen keine acht Kilometer die Palucca Hochschule für Tanz von der ehemaligen KGB-Zentrale. Bis 1990 arbeitete dort der Mann, der jetzt federführend dafür sorgt, dass die Tanzakademie zum Obdach für Flüchtlinge wird – und die Ukraine zur Kriegszone. Alle kennen seinen Namen. Nur hat so gut wie niemand geglaubt, dass er seine Armee tatsächlich in Bewegung setzen wird. Um den Nachbarn zu überfallen. Um Millionen Menschen in die Flucht zu treiben.
Um den Terror des Krieges gegen das Demokratie-, Freiheits- und Selbstbestimmungsrecht einer anderen Nation zu entfesseln und seine eigenen Bürger*innen einzuschüchtern. Sofern das Trommelfeuer des staatlichen Propaganda-Apparats das nicht längst erledigt hat.
In den ersten Tagen des Krieges schieden sich Freund und Feind. Auch die mehrheitlich bislang nicht eben politikaffine Ballettwelt erlebte via Social Media eine beispiellose Mobilisierung und Lagerbildung. Wer stillschweigt oder seinen Like bei Anna Netrebko parkt, die ihren 50. Geburtstag im Kreml feierte, wird den Linientreuen zugeschlagen – wie Bolschoi-Ballerina Svetlana Zakharova, ...
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Tanz April 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von
CONSTANTIN HOCHKEPPEL
Der Tanzbegriff, man weiß es, weitet sich. Die Zeiten, als die Moderne und das Tanztheater den Marsch in die Stadttheater antraten, liegen hinter uns. Jetzt kommt, wenn auch nicht Zirkus, immerhin das Physical Theatre neu an diese Institutionen. Das Stadttheater Gießen gönnt sich, nach zwanzig Jahren Tanzleitung durch Tarek Assam, eine...
Für «Skid», den Aufmacher dieses Doppelabends, mit dem die GöteborgOperansDanskompani jetzt in Ludwigshafen gastiert, heben die Ausstatter Jim Hodges und Carlos Marques da Cruz die Tanzbühne des Theaters im Pfalzbau aus den Angeln. Um Damien Jalets Tänzer*innen aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihre Bodenhaftung herauszufordern, kippen sie die weiße Bühne um 34...
Ich gehöre der Ballettwelt an. So war der 24. Februar immer schon ein wichtiges Datum für mich – es ist der Geburtstag von John Neumeier. Mit dessen Arbeit beschäftige ich mich seit Langem, und gerade ist mein neues Buch erschienen: «John Neumeier. Die Geburt eines Choreografen». Ich habe es gleich nach Hamburg geschickt. Es war im letzten Moment, wie sich...
