Waldflüstern

Chiara Bersanis «Sottobosco» ist ein außergewöhnliches Stück: schön und schmerzlich, zart und zupackend

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Menschenleer liegt sie da, die Bühne, voller kleiner Hindernisse in Form handgroßer weißer Steine, bodennah beleuchtet. Eine Welt im Urzustand, eine abstrakte Landschaft von präzivilisatorischer Beschaffenheit, ein heller, noch nicht zum Leben erweckter Fleck inmitten tiefster Dunkelheit. Der erste Mensch, der darin auftaucht: Eine Frau in einem langen, braunen Arbeitskleid, die sich sehr langsam und bedächtig über den Boden bewegt – kriechend, rollend, tastend, einem akustischen Brausen lauschend, das Sturm und Bewegung evoziert.

Eine zweite kommt dazu, übt das Stehen, setzt vorsichtige Schritte, rückt sich auf dem Boden zurecht. Beide bleiben eine Weile für sich, bis ihre Kontaktaufnahme beginnt: den Blick der anderen suchen, sich langsam annähern, aufeinander zurollen, sich zart an den Händen und irgendwann gegenseitig im Arm halten. Aus zwei Individuen wird auf diese einfache, konzentrierte Weise ein Paar, das im Zusammenkommen und Auseinanderfallen einem inneren, organischen Rhythmus zu folgen scheint.

Auseinandersetzung mit den eigenen Albträumen
Es sind kleinste Details, die diese Choreografie ausmachen: das Spiel der Finger, bevor sie einen der Steine zur Seite schieben, ...

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Tanz November 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Elisabeth Nehring

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