Verlangsamen

Wie die Zeit vom Raum abhängt – nicht von Geschwindigkeit. Helmut Ploebst besucht ein Kaffeehaus mit dem Langsamtänzer Philipp Gehmacher

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Wir treffen uns in einem Café, das in der Wiener Kulturszene nicht unbedingt als schick gilt. Dort gibt es einen Tisch, an dem man gut im Raum integriert, aber doch geschützt und für sich sitzt. Zufallsbegegnungen und die daraus resultierenden Ablenkungen sind unwahrscheinlich. Gut so. Wir haben beide nur wenig Zeit.

Im Kaffeehaus wurden einst ganze Tage verbracht. Heute ist das Zeitmaß, das es braucht, um einen Kaffee durchzubesprechen, zwar deutlich geschrumpft, aber unser Kaffee hat immerhin noch Spielfilmlänge.

«Ein Spielfilm muss ja wenigstens 88 Minuten dauern», sagt Philipp Gehmacher. «Im Tanz kann man ein Stück mit fünfzig Minuten gerade noch abendfüllend nennen.» Kürzere Filme oder Stücke anzubieten, widerspräche gängigen Präsentationslogiken. Diese formatierenden Zeitrahmen üben an sich schon einen gewissen Druck aus, denn «eine Arbeit von mir kann nur schwer über eine Stunde hinausgehen».

Draußen rauscht der Verkehr. «Vor einigen Wochen habe ich bei John Berger gelesen, dass unser Verständnis von Raum nur mit Architektur und der Stadt zu tun hat. Berger fragt, ob Höhlenmalereien räumlich sind. Eben. Sind sie nicht. Und darum behauptet er, dass es zur Zeit ihres ...

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Tanz Jahrbuch 2007
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 88
von Helmut Ploebst

Vergriffen
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