Utopien des Körpers

Zum Tod des Tänzers und Choreografen Ismael Ivo

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Es gibt ein Foto, das sehr viel über Ismael Ivo aussagt. Er steht vor der neobarocken Fassade des Theatro Municipal in São Paulo, einem der größten Theaterhäuser Lateinamerikas. Weißes offenes Hemd, die Hände in den Hosentaschen. Es ist Januar 2017, Ismael Ivo ist gerade zum Direktor des dort ansässigen Balé da Cidade ernannt worden. Aufgewachsen in den Armenghettos der Metropole, war ihm die Hochburg der bürgerlichen Kultur lange Zeit vollkommen unzugänglich. Doch Ismael Ivo ist immer ein Kämpfer gewesen.

Für ihn war Tanz nicht in erster Linie eine ästhetische Formensache, sondern das Mittel, der Unterdrückung, der Diskriminierung, der Ungerechtigkeit entgegen zu wirken. Dabei ging es ihm nicht allein um die eigene Erfahrung von Rassismus, sondern immer um eine gesellschaftliche Perspektive. Mit diesem Ansatz hat er unglaublich viel bewegt. Er hat den Tanz zu einer breiten Bewegung gemacht für zehntausende von Tänzer*innen aus der ganzen Welt. Das ist ihm gelungen vor allem mit Workshops, Meisterklassen und Gastspielen beim 1984 zusammen mit Karl Regensburger gegründeten «ImPulsTanz»-Festival in Wien, als Direktor der Sektion Tanz der «Biennale di Venezia» zwischen 2005 und 2012, ...

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Tanz Mai 2021
Rubrik: Menschen, Seite 16
von Johannes Odenthal

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