Ungarn 2021
Die Darstellenden Künste in Ungarn wurden aufgrund der mangelnden staatlichen Fürsorge ganz besonders von der Covid-19-Pandemie getroffen. Während der eineinhalbjährige Ausnahmezustand für diejenigen, die an großen, staatlich subventionierten Häusern engagiert waren, in erster Linie eine mentale Herausforderung darstellte, hat sich die Krise für die in der Freien Szene tätigen Kunstschaffenden vielfach zu einer finanziellen und existenziellen Extremsituation ausgewachsen.
Der Staat hielt nur sehr wenige Hilfsangebote bereit, für eine zweimalige Vorauszahlung von umgerechnet weniger als 1000 Euro mussten Tänzerinnen und Tänzer sich verpflichten, nach der Pandemie fünf unbezahlte Vorstellungen bzw. Unterrichtseinheiten zu geben. Die Ungarische Akademie der Künste stellte im Sommer 2020 Hilfszahlungen von 1000 bis 1500 Euro bereit, doch die bürokratischen Hürden grenzten ans Absurde. Der Verband der Unabhängigen Darstellenden Künste richtete einen Wohltätigkeitsfonds ein, der freiberuflichen Künstlerinnen und Künstlern finanzielle Unterstützung in vergleichsweise geringem Umfang leistete. Nicht wenige Kunstschaffende mussten schmerzlich erfahren, dass kein soziales Sicherheitsnetz sie ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Parkett international, Seite 146
von Andrea Tompa
Inmitten all der pandemiebedingten Schwierigkeiten bestand ein positiver Aspekt darin, dass wir ungewöhnlich viel Zeit für persönliches Coaching, Proben und Training gehabt haben. Normalerweise hetzen wir von Produktion zu Produktion, Probenräume sind begrenzt usw. Zum ersten Mal in den 15 Jahren meiner Leitung des Semperoper Balletts in Dresden hatten wir für all...
«Erfinden besteht in der Fähigkeit, das Potenzial eines Stoffes zu erfassen, und in dem Talent, Gedanken zu formen und zu gestalten, die ihm entsprechen.» Dieser Satz, von Mary Shelley 1831 mit Bezug auf das sprichwörtliche «Ei des Kolumbus» im Vorwort zu ihrem «Frankenstein»-Roman formuliert, lässt sich trefflich auf diese vermeintlich simple Kreation eines...
Menschen wirken auf Räume ein, gestalten sie, eignen sie sich an und hinterlassen Spuren. Gleichermaßen wirkt der Raum auf den Menschen ein, ermöglicht Begegnung, aber verhindert sie auch. Diese Wechselbeziehung zwischen Raum und Mensch gilt für alle Räume, sei es ein Sakralraum, ein Theater, das eigene Zimmer, eine Schrebergartenkolonie oder eben der städtische...
