Transformation
«Verwandlung» heißt das zweiteilige Programm, das Saburo Teshigawara mit dem Ballett Basel erarbeitet hat – und wüsste man es nicht, man glaubte nicht, dass hier nur einer am Werk war, so unterschiedlich sind die Bewegungssprachen, die eingesetzte Musik, die Kostüme. Nur das Licht, das Teshigawara selbst setzt, ist gleichbleibend klar.
Das erste Stück «Metamorphosen», uraufgeführt 2014 in Göteborg, hat er für Basel überarbeitet: Adolphe Binder, damals künstlerische Direktorin von GöteborgsOperans Danskompani, wollte nun die Zusammenarbeit mit dem japanischen Meister wieder aufnehmen. Sie wusste genau, dass seine Arbeitsmethode ihrem Ensemble viel abverlangen würde:
sich selbst befragen, improvisieren, sich freimachen vom Erlernten, nur wahrnehmen. In «Metamorphosen» tragen die Tänzer fleischfarbene Trikots, die jede Muskelbewegung, jede noch so kleine Anspannung erkennen lassen. Wir erleben sich windende, krampfende, aufschreckende Körper, gefesselt in Seilen, hoch aufgerichtete, sich dehnende, streckende Körper in Begleitung von metallenen Stäben und Spiralen: eine sich permanent verändernde Körperlandschaft vor einer dunklen Wand, dem Chor des Theater Basel. Schwarz gekleidet, ...
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Tanz Juni 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Claudia Henne
Wie würde er wohl die Lage beurteilen? Und wem in gewohnter Schärfe die Leviten lesen? Ralph Giordano gehörte zu den streitbarsten Intellektuellen der Bundesrepublik. 1923 als Sohn einer jüdischen Mutter in Hamburg geboren und schon als Zehnjähriger mit dem Vernichtungsfuror des Dritten Reichs konfrontiert, überlebte er in seiner Heimatstadt und wurde nach 1945...
DER ERBE …
Am Ende glich er der grauen Eminenz, als welche Dieter Gräfe manche sahen, auch äußerlich aufs letzte Barthaar – so als wäre er endlich eins geworden mit der Rolle, die ihm das Schicksal vorbehalten hatte. Denn eigentlich wollte er Reedereikaufmann werden. Aber im Fahrwasser John Crankos, dessen Privatsekretär er eher aus einem Zufall heraus geworden...
Giselle ist tot. Und zwar gleich vom ersten Bild an: keine romantische Träumerei, kein Getändel, keine unstandesgemäße Liebe, kein Verführer Albrecht und keine dörfliche Szenerie. Die Heldin ist tot, und Mario Schröder fragt in seiner letzten Arbeit nach 15 Jahren als Leipziger Ballettdirektor, wo sie sich jetzt eigentlich befindet: «Wo ist Giselle?» wird als...
