touch me, wear me

Tanz und Interaktivität: ein alter Hut? Drei Forscher in Melbourne, Potsdam und Nottingham entwerfen neue Hüte

Am 2. September 1996 erschien zum ersten Mal «Computer Bild» – angetreten war sie, um das Hexenwerk des binär operierenden Apparats zu entzaubern. Bis dahin sah es so aus, als sei in der «Blackbox» eines PC alles möglich, kursierte doch die Mär, dass dessen Fähigkeiten so wenig vollständig genutzt würden wie diejenigen unseres Hirns. Solche Analogie zwischen Mensch und Maschine bescherte dem Computer einen Siegeszug gerade in der Kunstwelt – bis 1996. Fünf Jahre zuvor experimentierte Merce Cunningham noch mit dem digitalen Verfahren des «Motion Capturing».

Strichmännchen tanzten die unmöglichsten Bewegungen, die Tanzwelt erblasste vor Neid. Als Cunningham 1999 – drei Jahre nach der Erstausgabe des Bild-Ablegers – mit Hilfe der Softwareentwickler Paul Kaiser und Shelley Eshkar die interaktive Performance «BIPED» herausbrachte, hielten die Kritiker dies bereits für einen alten Hut. Wer heute im Tanz noch mit Begriffen wie «Interaktivität» operiert, hat Cunningham nur knapp überlebt. Dennoch gibt es Nachfolger, etwa Ruth Gibson, Residenzkünstlerin an der Deakin University in Melbourne. Sie brachte soeben eine neue App fürs iPad heraus, die «Moc-App». Zu sehen ist, im bewährten ...

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Tanz Mai 2013
Rubrik: praxis, Seite 70
von Arnd Wesemann

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