Todestänze

Zweimal «Orpheus und Eurydike», in Luzern inszeniert von Marcos Morau, in Hamburg von John Neumeier.

Das Bildnis ist bezaubernd schön. Noch bevor die Azione teatrale per musica in Luzern so richtig in Gang kommt, lässt sich Eurydike sehen. Nicht wirklich, ruft man sich die Geschichte aus der griechischen Antike in Erinnerung, sondern als Konterfei einer Geliebten, deren vorzeitigen Tod Orpheus beklagt. Am Luzerner Theater ist der mythische Sänger auch dann kaum als solcher zu erkennen, wenn sich der Vorhang vollends hebt.

Den Rücken hat er seinem Publikum zugewandt, man sieht und hört allein die Altistin Abigail Levis: eine durchaus frauliche Erscheinung in geblümtem Rock und weißer Haube, die einen sofort an Frida Kahlo denken lässt, aber eher einem folkloristischen Umfeld entstammt. Marcos Morau, der die Oper von Christoph Willibald Gluck mehr oder weniger in ihrer italienischen Urfassung inszeniert, spricht denn auch im Programmheft weniger vom Mythos denn von einer «Liebesode an die Folklore», einem «Totenritual», einer «Passage zwischen zwei Welten, etwas, was in den osteuropäischen Ländern oft anzutreffen ist».

Das Gleiche ganz anders an der Hamburgischen Staatsoper. Dort hat sich John Neumeier nun schon zum zweiten Mal mit der Reformoper beschäftigt, und zwar diesmal in ...

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Tanz April 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Hartmut Regitz