Steven Cohen «Put Your Heart Under Your Feet …And Walk!»
«We are in a theater», spricht Steven Cohen mit trauriger, müder Stimme, «but I’m not acting. Everything I do is real.» Cohens Solostück «Put your heart under your feet … and walk!», uraufgeführt 2017 in Montpellier und sechs Jahre später als Deutsche Erstaufführung im Haus der Berliner Festspiele zu sehen, ist kein Theater, es ist ein Ritual, ein Bekenntnis des Künstlers zur Trauer um seinen Lebensgefährten Elu, der 2016 starb. Und der auf der Bühne präsent ist, als Urne, gefüllt mit Asche.
«Alles, was ich hier mache, ist real», und dann verspeist Cohen ein paar Gramm Asche, eine symbolische körperliche Vereinigung mit dem Geliebten. Real.
Normalerweise hilft ein Ritual einem, eine Form für die Emotionen zu finden und sich so nach und nach zu distanzieren. Cohen aber geht einen anderen Weg: Er vermeidet die Distanzierung konsequent und sucht den Schmerz um den den toten Geliebten immer wieder aufs Neue. Indem er dahin geht, wo der Tod ist: Eine lange Videopassage zeigt Bilder aus einem Schlachthaus, leidende Tiere, Eingeweide, das Bolzenschussgerät, das dem Rind an die Stirn gesetzt wird. Dazwischen: Cohen, der durch die alptraumhafte Situation tanzt, sanft, traurig, ein ...
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Tanz November 2023
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Falk Schreiber
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