Stephan Thoss «Mozart»

Mannheim

Stühle über Stühle. Erst aufgehäuft zu einem Berg, der sich langsam erhebt, um dann anderthalb Stunden lang bedrohlich über der Bühne des Opernhauses zu schweben. Bei Stephan Thoss, diesmal auch als sein eigener Bühnen- und Kostümbildner tätig, geschieht nichts ohne Grund. Deshalb lässt sich das Dekor auch nicht einfach als ein etwas hölzern geratener Kronleuchter interpretieren. Symbolisch steht es wohl eher für den Umstand, dass Mozart seinen Ort nie wirklich gefunden hat. 

Zumindest nicht auf Erden, und schon gar nicht in Mannheim, wo sich 1777, d. h.

im Gründungsjahr des Nationaltheaters, für «das liebe Kind» keine «Vakatur» gefunden hat, wie der nun doch schon 21-Jährige an seinen Vater schreibt. Die kurpfälzische Residenz bleibt für den angehenden Komponisten bloß eine Durchgangsstation, und dieses transitorische Moment macht der Mannheimer Ballettdirektor zum Thema – deutlich nicht nur durch gelegentliche Kutschengeräusche, sondern mit einer durch und durch dynamisch gestalteten Choreografie, die immer etwas Getriebenes, Umtriebiges hat. Kaum einen Augenblick kommt der Bewegungsfluss zum Stehen. Immer wieder formiert er sich aufs Neue, und diese ständige Veränderung macht es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2021
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
In Bewegung bleiben

Wie der Zufall so spielt: Ein Schulfreund von Salar Ghazi will 1987 eine Klassenfahrt nach West-Berlin nützen, um seine Verwandten im Osten der Stadt aufzuspüren. Er denkt: eine einfache Sache, man muss sie einfach anrufen. Schließlich hat heutzutage doch jeder ein Telefon. Auch in einer DDR, die in den Achtzigern für viele noch eine «sogenannte DDR» ist. Ein...

Gemischtes Doppel

Hans Kern, Magdalena Dentz – Sie sind in doppelter Hinsicht eine extravagante Gesprächskombination: Großvater und Enkelin, Mathematiker und angehende Tänzerin. Was zunächst mal zwei scheinbar sehr unterschiedliche Fächer sind. Mathematikern wird nachgesagt, sie gingen lieber mit Zahlen als mit Menschen um. Tänzer wiederum müssen körperliche Nähe zulassen können....

Highlights 12/21

Analog und digital
FRÖHLICHE WEIHNACHT ÜBERALL
Wohin das tanzbegeisterte Auge auch blickt, überall winken und blinken ihm im Dezember die «Nussknacker» entgegen. Ein ganz neues «Nussknacker»-Feeling will Demis Volpi zusammen mit jungen Choreograf*innen beim Ballett am Rhein erzeugen (www.ballettamrhein.de). Besonders attraktive Exemplare des Holzkerls locken zudem...