Spielerisch durch Wände gehen
Eine minimale Bewegung öffnet einen maximalen Spielraum. Doch manchmal braucht es dafür eine Schule des Schauens. Auf die feine Geste gelenkt, weitet sich der Blick, macht die Schranken im Kopf durchlässig und entlarvt so das ständige Messen an Normen als unproduktives Scheingefecht. Was für eine Befreiung! Allein die subtil vermittelte Erkenntnis, dass subjektives Körperempfinden naturgemäß nur konkret und nie «normal» sein kann.
So schlicht und begreifend bringen es Lucy Wilke und Paweł Duduś in ihrer zum diesjährigen Theatertreffen eingeladenen Performance «Scores that shaped our friendship» auf den Punkt. Die freie Produktion ist 2020 gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Lockdown mit einer Debutförderung im Bereich Tanz der Landeshauptstadt München im Spielort Schwere Reiter entstanden und wurde inzwischen auch an den Münchner Kammerspielen gezeigt, wo Wilke seit letztem Herbst Ensemblemitglied ist. Dabei ist die Einladung zum TT nicht die einzige Auszeichnung. Bereits im November wurde den beiden der Theaterpreis «Der Faust» in der Kategorie «Darsteller/Darstellerin Tanz» verliehen – mehr geht wirklich nicht in einer Saison. Damit gerechnet oder gar darauf hingearbeitet ...
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Tanz Mai 2021
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Silvia Stammen
Ein Erdling schraubt sich vom Liegen ins Sitzen ins Stehen. Schwefelgelb leuchtet der Horizont, während sich die Silhouette erst in den Raum hineinfräst und dann zusammenknickt, um alle Energien im Buddha-Sitz zu bündeln. Vielleicht sechzig Sekunden später tauchen drei Grazien auf, wie einst die Nymphen in Nijinskys «L’Après-midi d’un faune». Schwarzblau schimmert...
Zentral ist die Rolle der Kulturverbände in der Corona-Krise: als Anlaufstelle für Künstler*innen, als Sprachrohr der Branche, als Ideengeber für die Politik – und Trägerstruktur für Hilfsprogramme. Mit dabei: Der Dachverband Tanz Deutschland e.V., kurz DTD, der im Nothilfeprogramm «Dis-Tanzen» bislang fast zehn Millionen Euro aus den Bundestöpfen von Neustart...
Kann ein Rhythmus, ein mit den Händen geschlagener Takt, bereits politisch sein? In Kate McIntoshs «To Speak Light Pours Out» ist er das auf jeden Fall. Die in Brüssel arbeitende Neuseeländerin hat das Stück – koproduziert u. a. von PACT Zollverein, Künstlerhaus Mousonturm, Wiener Festwochen – in einer Residenz am Schauspiel Leipzig erarbeitet. Sie untersucht darin...
