Simone Sandroni «Puls»

Bielefeld

Tanz - Logo

Zu Anfang scheint der Tänzer mit dem Mikro am langen Stab den Herzschlag von Zuschauern aus der ersten Reihe aufzunehmen. «Puls» nennt Simone Sandroni sein neuestes Stück, es soll von jenem gruppengefühlstiftenden Impuls handeln, der nach Sandronis Auffassung vom Herzschlag über ethnische Trommeltrance bis zu Rock und Rave Menschen im Tanz zusammenführt. Man muss dem Choreografen da nicht folgen, wird dem natürlichen Puls doch allzu oft ein konformisierend technoider Beat übergezwungen. Das müsste man, wie beim Marsch, schon mal kritisch hinterfragen.

Aber Sandroni lässt Rave und Drill dann doch lieber aus und zelebriert ein effektreiches Rockballett, für das Komponist Francesco Antonioni drei E-Gitarren, klassischen Chor und Zuspielungen von Tänzerschritten und Herzrhythmen auffährt. Sebastian Ellrichs Ausstattung orientiert sich entsprechend an Bühnenshows, lässt mal die Gitarristen auf Türmen in die Höhe fahren, mal einen Scheinwerferblock von oben Lichtinseln schaffen. Der Chor erscheint in priesterlichen Gewändern und singt Lateinisches von Augustinus, hymnisch gehen die Arme nach oben oder werden wieder gefaltet.

Aus dem Nebelgraben windet sich zu Beginn ein fast nackter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2022
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Andreas Berger

Weitere Beiträge
Warm-up 4/22

Keine 600 Kilometer liegen zwischen Lwiw in der Westukraine und Dresden. In Dresden wiederum trennen keine acht Kilometer die Palucca Hochschule für Tanz von der ehemaligen KGB-Zentrale. Bis 1990 arbeitete dort der Mann, der jetzt federführend dafür sorgt, dass die Tanzakademie zum Obdach für Flüchtlinge wird – und die Ukraine zur Kriegszone. Alle kennen seinen...

Politikum

Es ist ein gutes Jahr her, dass Sie am Moskauer Bolschoi-Theater das Ballett «Orlando» erarbeitet haben. Aus dieser Zeit werden sich Kontakte erhalten haben. Wie erleben Sie die derzeitige Situation im Widerhall der Ihnen bekannten Tänzer und Tänzerinnen? 
Ich persönlich bin vor allem mit jenen west- oder nichteuropäischen Tänzern und Tänzerinnen im engen Kontakt,...

Highlights 4/22

Schweiz
STEPS
Das Schweizer Tanzfestival «Steps» steht dieses Jahr unter dem Motto «Neue Perspektiven» – und das ist wörtlich gemeint. «Wie verändert sich der Blick auf den Tanz, wenn man ihn nicht im herkömmlichen Bühnensetting erlebt?», fragt die künstlerische Leiterin Isabella Spirig. Und natürlich erwartet man dann, dass internationaler Tanz in ganz abwegigem...