Sidi Larbi Cherkaoui

Tanz - Logo

Das Schöne an Sidi Larbi Cherkaoui ist, dass er so vieles gleichzeitig sein kann. Marokkaner und Belgier, ernsthaft und übermütig, systematisch und sehr spontan. Alle nennen ihn Larbi, weil dieser Name unsereinem doch leichter von der Zunge rollt als Cherkaoui. Er ist ein Mann Anfang dreißig, sehr schmal, sehr zart, mit weißer, fast durchscheinender Haut, der aussieht wie ein Flame, vor allem, wenn er seine Haare bleicht – und dann dieser arabische Name! Solche Widersprüche liebt er, im Leben und auf der Bühne.


Eigentlich wollte er Maler werden, aber dafür war er zu ungeduldig, es war ihm zu einsam, zu endgültig – mit Bewegungen zu malen, mit Musik und Menschen, immer wieder neu anzufangen, es besser, immer noch besser zu machen, das war die Herausforderung, mit der er sich wohl fühlte. Und er konnte dabei aus  vielen Wurzeln schöpfen: klassische arabische Musik, gregorianische Gesänge, HipHop, Mathematik. Das Flüchtige des zeitgenössischen Tanzes, das ewige Versprechen von Wiederholung und Variation, fügte alles zusammen und veränderte es, ließ ihn zum schillernden Hexenmeister werden über die Räusche von Körper, Geist und Abstraktion. Die Offenbarung hieß für ihn Pina Bausch, und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2007
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 114
von Renate Klett

Vergriffen
Weitere Beiträge
Üben

Will ich in Tokio Unterricht nehmen in japanischem Bogenschießen, kann ich nicht einfach in ein Studio gehen und loslegen. Ich benötige einen japanischen Bürgen, der für mich spricht, ein gutes Wort einlegt. Nur so erhalte ich die Einladung zu einer Probestunde, die darin besteht, dass ich – im Beisein des Bürgen – den Übenden zuschauen darf.

Zweieinhalb Stunden...

Mark Morris

Einen gestandenen Choreografen wie Mark Morris als Hoffnungsträger zu bezeichnen, mag manchem als kühn erscheinen. Hochgejubelt hat man ihn Mitte der 1980er Jahre als «Mozart des Tanzes», weil hier einer war, der hoch musikalisch Barockes tanzte und tanzen ließ in einer Zeit, da Musik von Tanztheaterchoreografen allenfalls als Beiwerk benutzt wurde. Ich habe damals...

K3 Zentrum für Choreographie / Tanzplan Hamburg

Monica Antezana beweist: Bevor sie den Goldfisch im Glas zum Tanzen bringt, gelingt es ihr, das Kiementier in sich zu erwecken. Wie sie den Bühnenboden in flinken Wellenbewegungen überquert, als ließe sie sich vom nassen Element tragen, durchmisst sie in ihrer Lecture Demonstration «We Don’t Know Where We Come From, But Come We Did!» auch in raschen Sprüngen die...