Sidestep 7/24

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Newcomerin
SMADAR GOSHEN

«Ja», «ken» auf Hebräisch, sagt jemand, der auch «Nein» sagen könnte. Wenn Smadar Goshen in ihrem Solo «Ken» die Bühne betritt, steht ihr Mund offen, stumm. Die rechte Faust ragt in die Luft, «Aaaaa». Kein Schrei, eher die Soloversion eines Chores. Die Spiegelung des Publikums, als Live-Film an der Bühnenrückwand im Stuttgarter Fitz-Theater betont ihr Ausgesetztsein. Sie nimmt sich Objekte, räumt sie woandershin, eines holt sie aus dem Kleid, gebiert ein Knäuel schwarzen Drahtes.

Ein Stuhl, ein Tuch, ein Eimer, ein Messer.

Der Anfang, mit seitlich gebogenem Oberkörper und vor Brust und Bauch gehaltenen Händen, erinnert an alten Neuen Tanz. Später erklärt Goshen, dies solle die Wurzeln der Kunst darstellen, «das Erbe». Zwischendurch rennt sie, kraucht, kniet, sucht Balance auf einem Bein, wird still, scheint mit den Fingern zu denken, zu sich selbst zu sprechen. «Ken» spielt mit Verbergen und Aufdecken, Sagen und Schweigen. Nein, Ja? Topf überm Kopf, Kopf in den Nacken? Als Zuschauerin setzt man diese kleinen Vorgänge und groß wirkenden, nie eindeutig lesbaren Bilder in Bezug zum Unbegreiflichen des 7. Oktober in Israel, zu Schrecken und Leid.

Das sei auch ...

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Tanz Juli 2024
Rubrik: Sidestep, Seite 8
von

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