Sensibilität
Die fundamentale Bedeutung, die zwischenmenschliche Berührung für uns Menschen hat, wird vielen wohl erst jetzt klar – in einer Krise, in der man sich nicht mehr berühren darf. All die kleinen Alltagsberührungen, zur Begrüßung, zum Abschied, aus Dank, als Anerkennung, als Aufmerksamkeit, als Trost, als Geste der Unterstützung – sie müssen wegfallen. Und hinterlassen ein Gefühl von Leere und Distanziertheit. Berührungen gehören zu unseren Ritualen und sind ein nicht wegzudenkender Teil unserer Kommunikation.
So fühlen sich Begegnungen mit Freunden auf zwei Meter Abstand seltsam und schal an. Und jede Begrüßung und jeder Abschied mündet in eine kleine Verwirrung: Was tut man nun statt Umarmung, Küsschen oder Händeschütteln? Wie beginnen wir eine Begegnung und wie beenden wir sie, wenn diese Rituale fehlen? Wie können wir Trost oder Dank ausdrücken? Wir spüren alle ein Bedürfnis nach Berührung, das wir vorher kaum kannten.
Ich und die anderen
Berührungen sind essenziell, um Nähe aufkommen zu lassen. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Mit einer liebevollen Berührung vermitteln wir einander, dass wir füreinander da sind, und stärken unsere Beziehung zueinander. Diese wichtige ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 36
von Rebecca Böhme
Wenn Ballettdirektor Christian Spuck in seinen Vorstellungen im Opernhaus Zürich sitzt, beobachtet er regelmäßig Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich recht abenteuerlich gebärden. Sie biegen sich um eine Säule herum und lehnen sich in luftiger Höhe weit über die unteren Reihen hinaus, um mindestens ein bisschen etwas von der fabelhaften Darbietung des Ballett...
Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. So was wie bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt gerade überlebe ich auch. Es fühlt sich noch nicht an...
Die Tänzer treten nacheinander auf. Jeder von ihnen eine vollkommene Monade, die einsam um sich selbst kreist, melancholisch oder wütend in den eigenen Körper verbohrt. Doch dann passiert etwas Unerhörtes. Zwei Tänzer nähern sich immer mehr einander an. Spannung baut sich bei den Zuschauern in einer der raren Vorstellungen der letzten Monate auf – sie werden doch...
