Sensibilität

Was früher nur auf Museumsvitrinen stand, gilt heute für Menschen: Nicht berühren! Warum wir uns damit auf keinen Fall abfinden sollten, erklärt Rebecca Böhme

Die fundamentale Bedeutung, die zwischenmenschliche Berührung für uns Menschen hat, wird vielen wohl erst jetzt klar – in einer Krise, in der man sich nicht mehr berühren darf. All die kleinen Alltagsberührungen, zur Begrüßung, zum Abschied, aus Dank, als Anerkennung, als Aufmerksamkeit, als Trost, als Geste der Unterstützung – sie müssen wegfallen. Und hinterlassen ein Gefühl von Leere und Distanziertheit. Berührungen gehören zu unseren Ritualen und sind ein nicht wegzudenkender Teil unserer Kommunikation.

So fühlen sich Begegnungen mit Freunden auf zwei Meter Abstand seltsam und schal an. Und jede Begrüßung und jeder Abschied mündet in eine kleine Verwirrung: Was tut man nun statt Umarmung, Küsschen oder Händeschütteln? Wie beginnen wir eine Begegnung und wie beenden wir sie, wenn diese Rituale fehlen? Wie können wir Trost oder Dank ausdrücken?  Wir spüren alle ein Bedürfnis nach Berührung, das wir vorher kaum kannten.

Ich und die anderen

Berührungen sind essenziell, um Nähe aufkommen zu lassen. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Mit einer liebevollen Berührung vermitteln wir einander, dass wir füreinander da sind, und stärken unsere Beziehung zueinander. Diese wichtige ...

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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 36
von Rebecca Böhme