Schwanensee in Leipzig
Wenn Ballett, dann «Schwanensee» − mal siegt am Ende die Liebe, mal siegt sie nicht, und alle gehen unter im Schwanensee, von dem es in dieser Region gelegentlich heißt, es handle sich um den kleinen Teich im sächsischen Zwickau, der Stadt mit den Schwänen im Wappen.
Mario Schröders Ansatz soll heutig sein, und nicht auf Marius Petipa und Lew Iwanow und ihre St. Petersburger Fassung von 1895 zurückgehen. Die Umsetzung wirkt dennoch ein wenig gestrig.
Der Prinz in der Fassung des Leipziger Ballettchefs ist eine Prinzessin, die sich im üppigen Barock eines musealen Palastes gefangen fühlt. Diesem Protz will sie entfliehen, wie überhaupt der ganzen, steifen Gesellschaft mit ihren abgezirkelten, schreitenden Bewegungsritualen – vor allem dem Stiefvater Rotbart (Marcos Vinicius Da Silva), der schon mal kräftig übergriffig wird. Ihr junger Lehrer Benno (Lou Thabart) ist für sie so lange interessant, wie er mit ihr im weißen Röckchen, das er unter der Hose trägt, übermütig tanzt. Gerade so, als wäre er ein Schwan. Den Eltern (neben dem Stiefvater als Mutter: Fang Yi Liu) gefällt das gar nicht. Also bleibt dem jungen Mädchen nur, sich in die Fantasie zu flüchten, an den Schwanensee. ...
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Tanz Juni 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 20
von Boris Gruhl
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